Herr Borkowski, Sie sind seit Januar Nachfolger von Albert Still an der Spitze der AVAG. Welche Devise wird Ihre Unternehmensführung prägen?
Ich sehe keine Notwendigkeit, alles anders zu machen. Trotzdem wollen wir manches noch verbessern. Unsere Grundprämisse bleibt: Wir wollen attraktiv sein durch Wachstum - etwa zehn Prozent pro Jahr ist ein Volumen, das wir verkraften.
Die Erweiterung des AVAG-Vorstands erfolgte aus eigenen Reihen. Könnte ein neuer Vorstand auch von außen kommen?
Damit haben wir in der Vergangenheit tendenziell schlechtere Erfahrungen gemacht. Die AVAG ist - anders als andere Handelsunternehmen unserer Größenordnung - dezentral organisiert und will es auch bleiben. Ein neuer Mitarbeiter muss verstehen, dass er bei uns nicht Zepter und Reichsapfel in die Hand bekommt, sondern dass er seine Leistung draußen bei den Autohäusern verkaufen muss.
Sie haben angekündigt, die AVAG in Europa unter die Top Ten beziehungsweise unter die Top drei zu führen. Bis wann?
Die Top Ten dürften wir dank unseres jährlichen Wachstums von zehn Prozent voraussichtlich in den nächsten drei Jahren erreichen. Unter die Top drei in Europa zu kommen, wird uns mit dem bestehenden Geschäftssegment, also dem reinen Retailgeschäft, sehr schwer fallen. Dazu brauchen wir den Import als zusätzliche Säule.
Die AVAG hatte 2006 die Pläne für den Import chinesischer Autos auf Eis gelegt. Wie sieht Ihre Strategie nun aus?
Wir hatten das Thema China eigentlich nicht auf Eis gelegt, sondern nur aufgeschoben. Es gibt sehr viele Gespräche. Ich glaube allerdings, dass der chinesische Markt sehr aufnahmefähig für die eigenen Produkte ist und insofern das Exportvolumen gar nicht so groß sein wird, wie viele erwarten. Unsere Wunschvorstellung ist ein operativer Marktstart im Jahr 2008, realistisch ist aber wohl erst 2011 oder sogar 2013 - wenn man die bisher veröffentlichten Zeitpläne der Hersteller betrachtet. Das Beispiel Landwind hat gezeigt, dass ein zu früher Markteintritt auch kontraproduktiv sein kann.
Welches Volumen halten Sie für realistisch?
Ich kann mir vorstellen, dass die Chinesen auf Sicht von fünf Jahren zwei Prozent Marktanteil in Deutschland schaffen - alle zusammen. Ich bezweifle, dass ein einzelner Anbieter mehr als ein Prozent Marktanteil halten wird.
Ist die AVAG auch interessiert an anderen europäischen Marken wie Ford oder Renault?
Unser Portfolio ist einerseits amerikanisch, andererseits japanisch ausgerichtet. Ich könnte mir gut vorstellen, dass wir irgendwann eine dritte Säule aufbauen. Das könnte ein französischer oder ein italienischer Hersteller sein, oder auch Ford. Fest steht, dass wir in unserem angestammten Kundensegment bleiben wollen.
Premiummarken kommen also nicht infrage?
BMW, Audi oder Mercedes - das ist nicht unser Segment. Wir sind mit GM und Opel sehr glücklich, weil wir die Bestandssicherheit für das Unternehmen haben und langfristig planen können. Wenn wir unseren Job gut machen, dann lässt GM uns leben. Gleiches gilt für Toyota und die anderen Marken, in die wir investieren. Das ist nicht bei allen Herstellern so. Wenn Sie bei manchen Ihren Job zu gut machen, dann ist da morgen eine Niederlassung.
Die AVAG erwirtschaftet 30 Prozent ihres Umsatzes im Ausland. Wollen Sie vor allem hier weiter expandieren?
Ja. In Nachbarmärkten wie Polen, Ungarn, Kroatien, Tschechien und der Slowakei haben wir bereits Know-how aufgebaut, das anderen noch fehlt. Das ist ein Wettbewerbsvorteil. Wir wollen aber nicht in die ländlichen Bereiche, weil dort die Volumina zu klein sind. Da haben wir unser Lehrgeld schon bezahlt. Wir wollen in die Hauptstädte.