Weiden. Mehr als 300 Betriebsräte gibt es in den Filialen der Werkstattkette Auto-Teile-Unger (ATU) bereits. Doch der Versuch, auch in der Zentrale in Weiden und im Logistikzentrum in Werl Arbeitnehmervertretungen zu gründen, führt derzeit zu heftigen Auseinandersetzungen zwischen Unternehmen und Beschäftigten.
In der Zentrale ist die Wahl eines Betriebsrats zunächst gescheitert. Es kam nicht einmal zur Aufstellung eines Wahlvorstands. Die IG Metall wirft ATU vor, Druck ausgeübt zu haben. Es sei ein "Klima der Angst“ geschürt worden, sagt Gewerkschafter Peter Donath. "Das hat dann dazu geführt, dass wir niemanden gefunden haben, der auch nur bereit war, ein Amt im Wahlvorstand zu übernehmen.“ATU weist die Vorwürfe allerdings zurück, man habe "zu keinem Zeitpunkt“ versucht, die Wahl zu verhindern oder zu stören, und keinen Druck ausgeübt, erklärte das Unternehmen. Letztlich kam es laut Donath im März zu einem Vergleich: Die Gewerkschaft verzichtete auf den Versuch, gerichtlich einen Wahlvorstand einsetzen zu lassen. Im Gegenzug habe die Werkstattkette bis 2016 auf betriebsbedingte Kündigungen für die Beschäftigten der Zentrale verzichtet.Zank um ATU-Betriebsratswahlen
Bei der Werkstattkette ATU führt der Versuch, in der Zentrale in Weiden und im Logistikzentrum in Werl Arbeitnehmervertretungen zu gründen, derzeit zu heftigen Auseinandersetzungen. Die IG Metall sieht gar ein "Klima der Angst".
Verzicht auf Prämien
Laut Gesamtbetriebsratsmitglied Peter Pechan hat ATU auch den Filialmitarbeitern einen ähnlichen Verzicht auf betriebsbedingte Kündigungen zugesagt, weil sie im Gegenzug auf Prämien verzichtet haben. Erst vor Kurzem wurde die Vereinbarung, die bis 2014 gelten sollte, bis 2018 verlängert. Nach Pechans Schätzung spart ATU dadurch rund 20 Millionen Euro an Prämien.
Im Logistikzentrum in Werl läuft der Konflikt um die Betriebsratswahl noch. Mitte April entschied das Arbeitsgericht Hamm gegen einen Antrag von ATU, den Wahlvorstand für den Logistikbereich des Lagers wegen "gravierender Verfahrensfehler“ abzuberufen. Auch andere Verfahren laufen noch. Die IG Metall ist dennoch zuversichtlich, dass es zur Betriebsratswahl kommen wird.Warum gerade an diesen beiden Standorten die Betriebsratsgründung so problematisch ist, ist bislang unklar. Gründe könnten in einem möglichen Verkauf des Unternehmens oder dem Einstieg eines weiteren Partners liegen. Von Arbeitnehmerseite hofft man dabei auf einen langfristig orientierten Partner, der Geld mitbringt. Denn die Werkstattkette schleppt als Folge der Übernahme durch den Finanzinvestor KKR eine immense Schuldenlast mit sich, der Schuldendienst verhagelt regelmäßig das Ergebnis. Zudem müssen mehr als 600 Millionen Euro im kommenden Jahr refinanziert werden.Bei ATU heißt es: "Wir prüfen derzeit gemeinsam mit unserem Eigentümer KKR verschiedene Optionen der Refinanzierung und streben eine neue Kapitalstruktur mit deutlich niedrigerer Zinsbelastung an.“