Herr Küspert, vor Ihrer Opel-Zeit waren Sie lange Deutschland-Chef für den Vertrieb bei Mercedes-Benz. Wo sehen Sie Unterschiede zwischen den beiden Unternehmen?
Zuerst mal sehe ich eine wichtige Gemeinsamkeit: Sowohl Opel als auch Mercedes-Benz sind deutsche Traditionsmarken. Der Unterschied ist natürlich, dass Opel eine Tochter unserer US-Mutter General Motors ist. Es gelingt uns aktuell, die europäischen Wurzeln von Opel immer stärker in die globalen Konzepte und Ideen von GM einzubringen. Das gilt für die Fahrzeugarchitekturen ebenso wie für die Antriebsstränge. Wir haben ein anderes Gewicht in der GM-Familie bekommen, als es vielleicht früher der Fall war. Der Konzern globalisiert sich mehr und mehr. Und er erkennt mittlerweile, dass Anforderungen des europäischen und chinesischen Markts – wie beispielsweise das Thema CO2 – ganz neue Themen in die Entwicklungsplanung bringen. Das ist zukunftsweisend.
Die Opel-Händler haben schwere Zeiten hinter sich. Jetzt sehen sie wieder Licht am Horizont. Müssen sich die Betriebe neu aufstellen, wird es Veränderungen geben?
Keine Frage, die Händler in Deutschland hatten es nicht einfach. Sie haben über viele Jahre Marktantei- le verloren. Jetzt mit den wiedersteigenden Marktanteilen auf aktuell 7,3 Prozent in Deutschland haben die Händler wieder die Zuversicht, dass sich etwas zum Positiven verändert. Wir haben unsere Strategie für die kommenden Jahre offengelegt und Zustimmung bekommen. Wir müssen und werden gemeinsam dafür sorgen, dass Opel und damit auch der Handel wieder Geld verdienen. Die Händler glauben daran. Das spiegelt sich in der Tatsache wider, dass nach dem Rückzug von Chevrolet die meisten Betriebe, die zuvor beide Marken vertrieben haben, jetzt ausschließlich auf Opel setzen und keine zweite Fremdmarke ins Angebot genommen haben. Sie sind vom Opel-Erfolg überzeugt.
Zum Erfolg von Opel sollen auch die vielen Neuheiten beitragen. 27 neue Modelle und Derivate bis 2018 sind geplant. Was ist als Erstes zu erwarten?
Wir werden schon Anfang Oktober auf dem Pariser Autosalon den neuen Corsa vorstellen. Nächstes Jahr wird ein weiterer Kleinwagen unser Angebot nach unten abrunden. Der Karl – der Name ist eine Hommage an einen der Söhne des Firmengründers Adam Opel – wird ein echter Opel. Das fünftürige Einstiegsmodell wird etwa 10.000 Euro kosten.
Wo wird der Wagen gebaut?
Bitte haben Sie Verständnis, dass wir zum jetzigen Zeitpunkt dazu noch nichts sagen möchten.
Dass man Kleinwagen in Europa bauen kann, zeigt der Adam.
Der aber wird ja auch nicht über den Preis, sondern über Emotion und Individualisierung verkauft.
Verdient Opel dennoch Geld mit dem Auto oder ist es eine Investition in die Marke?
Natürlich wollen wir Geld verdienen – und zwar mit allen Autos. Der Adam ist ein Beispiel für eine intelligente Lösung. Wir können auf die Wünsche und Bedürfnisse des Kunden eingehen. Das zahlt sich aus. Auch der Adam wird daran gemessen, ob er sich rechnet. Schließlich haben wir die Rückkehr in die Gewinnzone zur Mitte der Dekade fest im Visier.
Wie schwer ist der Weg dorthin? Wo müssen die größten Baustellen bewältigt werden?
Wir gehen alle Themen mit hoher Priorität an, entwickeln neue Produkte, schauen uns bestehende Fahrzeuge an und prüfen, wo wir unter Kostengesichtspunkten optimieren können. In unseren Fabriken wollen wir die Auslastung erhöhen. Und wir verkaufen nicht mehr nur in Europa. Wir haben uns mit GM so verständigt, dass wir auch dort antreten, wo wir uns nicht gegenseitig Konkurrenz machen. Derzeit gilt das zum Beispiel für Chile, wo Chevrolet ausschließlich das Niedrigpreissegment abdeckt. In Südafrika bieten wir künftig zusätzlich den Mokka und den Adam an. In Australien verkaufen wir ab 2015 den Insignia unter der Marke Holden, die dort etabliert ist und über ein starkes Vertriebsnetz verfügt. In Deutschland bauen wir gerade mit den Händlern neue Vertriebsprogramme auf. Wir wollen strategischer zusammenarbeiten. Wir sitzen nicht nur in einem Boot, sondern müssen auch gemeinsam in eine Richtung rudern.