Herr Hanswillemenke, wie läuft das Autofinanzierungsgeschäft?
Das Jahr hat auf Grund des milden Winters gut begonnen und pendelt sich aktuell auf Vorjahresniveau ein. Für uns sehen wir bei Neu- und Gebrauchtwagen ein moderates Wachstum bei den Stückzahlen und insbesondere bei den Gebrauchtwagen höhere Finanzierungsvolumina. Das liegt auch daran, dass über diesen Kanal viele Kurz- oder Tageszulassungen abfließen. Der Privatkundenanteil ist aber insgesamt niedriger als in den vergangenen beiden Jahren.
Wie wichtig sind die Privatkunden denn für sie?
Sie sind unsere wichtigste Zielgruppe. Bei Gebrauchtwagen machen sie 95 Prozent aus. Im Neuwagenbereich haben wir in Zusammenarbeit mit unseren Kooperationspartnern Mazda, Kia, Volvo, Suzuki, Infiniti auch gewerbliche Kunden – allerdings mit eher kleineren Flotten von bis zu neun Fahrzeugen.
Strategisch wollen wir in den Markt für etwas größere gewerbliche Flotten hineinwachsen. Das ist ein Prozess den wir vor einiger Zeit begonnen haben. Zum Ausbau gehören auch Angebote in Richtung Full-Service-Leasing oder Kurzzeitmiete.
Was sind die wichtigsten aktuellen Trends im Markt?
Der Trend geht tendenziell weg vom Eigentums- hin zum Nutzungsgedanken. Immer mehr Kunden gehen inzwischen von einem Budget für ihre Mobilität aus. Das fördert den Verkauf von Paketlösungen wie der Santander AutoFlat, bestehend aus Finanzierung, Versicherung und Wartung. Gerade Versicherungen und Garantien sind ein sehr wichtiges Thema.
Bieten Sie die Versicherungen selbst an?
Santander Consumer Bank und somit der Autohauspartner agieren als Vermittler von Versicherungen, die Santander wiederum bei professionellen Versicherungsgesellschaften platziert. Dieses sind die gruppeneigene Santander Insurance Ireland, die RheinLand-Versicherungsgruppe und die CarGarantie. Wir bieten maßgeschneiderte Versicherungslösungen zur Rundumabsicherung für den Kunden selbst, dessen Familie und des Fahrzeuges. Somit entsteht kein zusätzlicher administrativer oder logistischer Aufwand für unseren Endkunden.
Wie weit engagieren Sie sich in der Händlerfinanzierung?
Als größter Anbieter in diesem Bereich stellen wir unseren Handelspartnern zahlreiche Dienstleistungen zur Verfügung. Neben der klassischen Einkaufsfinanzierung bieten wir auch Werkstatt- und Ausrüstungsleasing an. Was wir nicht finanzieren, sind Immobilien.
Warum keine Immobilien?
Dafür gibt es andere Experten. Was wir machen, machen wir mit einer Akribie. Wenn wir das auch im Immobilienbereich leisten wollten, müssten wir unsere gesamte Organisation darauf ausrichten. Aktivitäten wie die Hinwendung zu größeren gewerblichen Kunden sind für uns interessanter.
Welche Bedeutung haben Auto-ABS-Papiere für Ihre Refinanzierung?
Das ist eine attraktive Möglichkeit der Refinanzierung. Wir machen im Schnitt zwei Transaktionen pro Jahr. Die letzten beiden hatten Volumina von je 600 Millionen Euro. Wir bekommen sehr gute Konditionen und beste Ratings. Wir könnten hier bei Bedarf deutlich mehr machen.
Es gibt ja die Sorge, dass Auto-ABS durch strengere Regulierung unattraktiv werden könnten. Teilen Sie diese?
Ich mache mir da keine Sorgen. Die Regulierung der Banken nimmt generell zu. Aber wir gehen das mutig an und haben natürlich auch interne Experten dafür im Haus, die unsere ABS-Platzierungen professionell managen.
Wie wirkt sich denn die Niedrigzinsphase auf das Autogeschäft aus?
Die Kunden erwarten entsprechend ebenfalls niedrige Zinsen. Für uns ist die Frage: Wie bekommen wir die Balance hin, dem Händler einen attraktiven Zinssatz zu bieten und unsere Services wie z. B. die persönliche Betreuung durch den größten Außendienst der Branche angemessen bezahlt zu bekommen? Es gibt Wettbewerber, die den Preiswettbewerb anheizen, und sich Marktanteile kaufen. Wir halten das für sehr kurzfristig und machen das nicht mit. Unser Ziel ist die preiswerteste Bank mit dem besten Preis-Leistungs-Verhältnis zu sein.
Ist der Autohandel eigentlich ein guter Schuldner?
Hier kann ich nur für unser Haus sprechen. Wir haben ungefähr 7.600 Kunden in der Händlerfinanzierung und machen rund 6,4 Milliarden Euro Umsatz pro Jahr in diesem Bereich. Natürlich haben auch wir Ausfälle, aber in einem sehr überschaubaren Maß. Die Kreditwürdigkeit unserer Händler würde ich insgesamt als gut bezeichnen. Und falls die wirtschaftliche Situation eines Händlers mal schlechter werden sollte, haben wir spezialisierte Teams, die unseren Kunden dabei helfen, diese zu verbessern.
Vergangenes Jahr hat die Akf Bank Factoring für den Handel gestartet. Was halten Sie davon?
Wir werden Factoring voraussichtlich im zweiten Halbjahr einführen und abwarten, wie groß das Interesse ist. Das ist im Moment aber noch schwer einzuschätzen. In jedem Fall wollen wir unseren Kunden, für die Factoring von Interesse ist, dieses Instrument anbieten.