Köln. In einem Brief an die Zulieferer der Motorenwerke bat Ford jüngst dringend um Auskunft, wie viele Teile bereits aus "Emerging Markets" in Asien, Afrika und Osteuropa bezogen werden. Im Gespräch mit Automobilwoche erläuterte Behrendt die Hintergründe.
Frau Behrendt, für Ford of Europe hat der Einkauf in Niedriglohnländern angeblich einen hohen Stellenwert. Warum?
Der Einkauf in Emerging Markets ist für uns ein Element, um die Wettbewerbsfähigkeit weiter zu erhöhen. Man muss das auch im Zusammenhang mit unserer Strategie TVM ("Team Value Management", Anm. d. Red.) sehen, die wir zusammen mit unseren Lieferanten entwickelt haben. Diese zielt bekanntlich darauf, Sparpotenziale zu realisieren und so die Produktionskosten zu optimieren.
Dazu müssen Sie wissen, wo die Ford-Lieferanten einkaufen?
Der ganze Prozess ist durch ein hohes Mass an Transparenz geprägt, verlangt einen offenen Austausch von Informationen. Das hat sich auch ganz gut eingespielt.
Warum fragen Sie dann nach dem Umfang der Einkäufe in Emerging Markets?
Ich möchte grundsätzlich zu global wettbewerbsfähigen Preisen einkaufen, das erfordert eine optimale Kostenstruktur. Für mich ist aber nicht so sehr entscheidend, wo die Teile herkommen. Für mich ist auch die Qualität sehr wichtig, auch die Liefertreue -- neben den Erfahrungen, die wir mit einem Lieferanten gesammelt haben. Aber der Preis ist natürlich auch ein wichtiger Faktor.
Wo die Ford-Lieferanten produzieren, ist also letztlich egal?
Wenn jemand global wettbewerbsfähig ist und in Stuttgart produziert, dann habe ich überhaupt kein Problem damit.
General Motors will Angebote aus deutschen Standorten heraus nicht mehr akzeptieren.
Die Lieferanten wissen selbst am besten, in welchen Ländern die notwendigen Voraussetzungen herrschen, um zu wettbewerbsfähigen Preisen produzieren zu können. Unsere Lieferanten kennen den Markt genauso gut wie wir.
Volvo fordert von seinen Zulieferern, wenigstens 15 Prozent der Teile aus Niedriglohnländern zu beziehen. Wie hoch ist die Quote bei Ford of Europe?
Unser Ziel ist es, 100 Prozent unserer Teile wettbewerbsfähig zu kaufen, und zwar in puncto Qualität und Preis. Mit Blick auf die dynamische Entwicklung der Märkte hielte ich Quoten auch für falsch.
Wie viele Ford-Zulieferer beziehen bereits in grösserem Umfang Teile aus Emerging Markets?
Wir wissen, dass alle unsere Zulieferer einen internationalen Fertigungsverbund haben und in den jeweiligen Regionen die dortige Lieferantenbasis nutzen.
Die Entwicklung der Rohstoffpreise hat den Druck auf Autohersteller und Zulieferer erhöht.
Dieser Entwicklung kann sich niemand entziehen. Das ist sowohl für die Hersteller als auch für die Zulieferer eine grosse Herausforderung. Wir versuchen aber, mit unseren Lieferanten einvernehmliche Lösungen zu erzielen, die Mehrkosten zu teilen. Wir gehen fair miteinander um.
Das Interview führte Franz W. Rother.