Das ist für uns ein erheblicher Katalysator für künftige Geschäfte in der Autoindustrie. Wir übernehmen die Betreuung des Applikationsbetriebes in den Bereichen des SAP-Basisbetriebs, außerdem die Betreuung der Web-Infrastruktur, Content Management und Business Intelligence Systeme. Ich denke, dass wir nicht nur bei den üblichen qualitativen Anforderungen an der Spitze lagen, sondern dass vor allem die klare Vision, wie transformiere ich die IT-Infrastruktur in der Zukunft, den Ausschlag für Infosys gegeben hat. Wir investieren auch erheblich in diese Partnerschaft...
"Wir brauchen einen Umsatz von 500 Millionen Dollar“
Wir bauen nun in München ein Delivery-Center mit 50 bis 100 Mitarbeitern in der ersten Stufe auf. Ich rechne damit, dass dieses Center relativ schnell auch andere Unternehmen – nicht nur aus der Automobilbranche - bedient. München ist ein strategischer Investitionsschwerpunkt für uns in Deutschland.
Mit Lodestone haben wir über 300 Berater im deutschsprachigen Markt. Die Kollegen von Lodestone sind seit Jahren höchst erfolgreich für die Autoindustrie tätig. Nun kombinieren wir diese Kompetenz mit den Fachkollegen von Infosys und einem Off-Shore-Modell, das äußerst kompetetiv und innovativ ist. Infosys beschäftigt hierzulande über 850 Mitarbeiter. Dazu kommen weitere 2500 bis 3000 Mitarbeiter, die "offshore" - also an kostengünstigeren Standorten im Ausland tätig sind. Um diesen Hebel zu verstehen, müssen wir kurz in die Vergangenheit schauen.
Wir sind seit gut 13 Jahren auf dem deutschen Markt, sind aber jahrelang an Grenzen gestoßen, weil wir die Kunden nicht mit deutschsprachigen Services bedienen können. Wir haben dann die Strategie 2009 massiv verändert und ein lokales Consulting mit zuletzt 60 Mitarbeitern sowie verschiedene Standorte aufgebaut. In Deutschland haben wir so den Umsatz im Zweijahresrhytmus verdoppelt.
Global hatten wir einige Herausforderungen, die sich in der Transformation zu Infosys 3.0 ergeben haben. Wichtiger Bestandteil unserer globalen Strategie ist der Ausbau vom IT-Dienstleister zunehmend zum voll integrierten Beratungsgeschäft sowie Ausbau von Produkten und Plattformen. In Deutschland konnten wir genau diese Strategie schon früher - nämlich über die vollen letzten drei Jahre umsetzen – und der Erfolg beweist, dass diese Strategie greift.
Die Autoindustrie befindet sich in einem massiven Transformationsprozess: In den Emerging Markets müssen erhebliche Fertigungskapazitäten und Vertriebsstrukturen aufgebaut werden, während weltweit gleichzeitig mit der Vernetzung der Fahrzeuge die 360-Grad-Betreuung des Kunden in den Mittelpunkt rückt. Dazu kommen neue Geschäftsmodelle wie das Carsharing und Mobilitätsdienste. Wir wollen mit den Kunden gemeinsam innovative Lösungen, Dienstleistungen und Plattformen entwickeln. In den Emerging Markets können unsere Automobilkunden durch die Nutzung unserer Infrastruktur die Fixkosten und damit das Risiko begrenzen.
Bei Infosys verfolgen wir seit rund eineinhalb Jahren eine konsequente Plattform-Strategie: Wir bauen IT-Infrastrukturen - meistens mit einem erheblichen Anteil aus der Cloud - für verschiedenste Dienstleistungen etwa für das vernetzte Fahrzeug, für den Vertrieb und Customer Relationship Management oder Social Media. Insgesamt haben wir im Konzern 14 Plattformen definiert für die wir ein Orderbuch von über einer halben Milliarde Dollar haben.
Selbstverständlich. Für einen großen Hersteller haben wir eine Vertriebsplattform auf Basis des Apple-Betriebssystems iOS gebaut. Dabei wird der Fahrzeugkonfigurator des Hersteller mit den Systemen des Händlers und der konzerneigenen Bank als Finanzierer kombiniert. Die Beratung des Kunden kann auf einem iPad im Fahrzeug stattfinden, ohne dass es zu den üblichen Systembrüchen kommt. Ein anderes Beispiel ist ein Projekt mit einem der weltweit größten Automobilunternehmen. Hier werden Aktivitäten von Social-Media-Nutzern ausgewertet, so dass diese individuell angesprochen werden können.
Auch hier haben wir eine Plattform, die als Backend-Server für die Fahrzeuge dient, von der Apps heruntergeladen werden können und die als Basis für eine Vielzahl von Services genutzt werden kann. Im Grunde geht es dabei darum, verschiedene Eco-Systeme zu kombinieren und die Auswertungsanalytik dazu zu bringen. Das ist eine Spezialität von Infosys. Darüber hinaus beschäftigt Infosys über 5000 Ingenieure, die sich zum Beispiel in der Luftfahrtindustrie mit embedded systems beschäftigten, aber auch für die Autoindustrie Interieur- und Exterieur-Komponenten entwickeln. Darin sehe ich einen klaren Wettbewerbsvorteil gegenüber klassisch ausgerichteten IT-Unternehmen.
Betrachtet man die traditionelle IT - also Infrastruktur, kommerzielle Systeme und Data-Center - gehe ich von einem weiter anhaltenden Kostendruck und sinkenden Budgets aus. Ich rechne aber mit steigenden Investitionen in innovative Services wie ich sie oben bereits angesprochen habe. Diese werden hauptsächlich von den Fachabteilungen initiiert. Für uns stellt das ein enormes Wachstumspotenzial dar.
Sie spielen auf die Entscheidung eines großen Unternehmens an, das in der Tat weite Teile der IT wieder selbst managen will. Ich kann daraus aber keinen allgemeingültigen Trend ableiten, auch wenn ich Ansatzweise nachvollziehen kann, dass sich ein Hersteller mehr Kernkompetenz in einem Geschäftsfeld der Zukunft verschaffen will. Ich glaube nicht, dass dieses Beispiel flächendeckend Schule macht.
Wir wollen mittelfristig zu den Top10-Anbietern im Consulting- und IT-Servicebereich aufsteigen. In Deutschland brauchen wir dazu einen Umsatz von rund 500 Millionen Dollar. Die Autoindustrie wird daran einen ganz signifikanten Anteil haben.