Frankfurt/Main. Unter Holger P. Härter, dem Vize-Chef der geplanten Porsche-Holding, hat Rentabilität höchste Priorität. Automobilwoche sprach auf der 62. Pkw-IAA in Frankfurt mit dem Controlling-Experten über strategische Ziele.
Herr Härter, nach dem Einstieg von Porsche bei VW gab es in letzter Zeit verstärkt Dissonanzen. Was ist da schiefgelaufen?
Ob bei der gemeinsamen Entwicklung neuer Elektronikmodule, der Arbeit an den Nachfolgern unserer großen Geländewagen oder beim Hybrid-Antrieb - in der Summe laufen die Kooperationsprojekte mit VW gut. Wir liegen voll im Zeitplan. Mit dem Betriebsrat von VW gab es jüngst in der Tat das eine oder andere Thema. Das basierte aber womöglich auf Missverständnissen. Klar ist: Wir achten bei Porsche seit jeher streng auf Wirtschaftlichkeit und das Einhalten aller Kalkulationen. Das werden wir sicherlich auch bei VW so halten. Und auf Vorstandsebene ist dort die Bereitschaft vorhanden, offen mit uns zu diskutieren.
Vom bisherigen "Luxusleben", seinem großen Einfluss auf das Geschäft über den Aufsichtsrat, muss sich der VW-Betriebsrat unter Porsche-Ägide lösen?
Die Vergangenheit möchte ich nicht kommentieren. Für die Zukunft haben wir mit dem Betriebsrat von Porsche eine ganz klare Mitbestimmungsvereinbarung getroffen: Wenn ein weiterer Teilkonzern zur neuen Holding hinzukommt, kann er maximal die Hälfte der sechs Arbeitnehmersitze im Aufsichtsrat für sich beanspruchen.
Könnten Mitglieder des VW-Vorstands in die neue Porsche-Holding einziehen, sobald Porsche den Anteil an VW auf gut 50 Prozent erhöht?
Das ist eine Frage, die der Aufsichtsrat zu diskutieren hätte. Theoretisch wäre der Einzug in die Holding möglich. Aber Dr. Wiedeking und ich fühlen uns momentan auch so wohl.
Planen Sie weitere Kooperationen mit VW, etwa rund um das 2009 startende Porsche-Coupé Panamera?
Grundsätzlich sind ähnliche Gemeinschaftsprojekte wie bei Porsche Cayenne und VW Touareg denkbar. Wichtig ist, dass davon stets beide Seiten profitieren.
In den USA sorgt die Kreditkrise derzeit für Besorgnis. Fürchten Sie einen Rückgang der Konsumfreude auf dem für Porsche so bedeutsamen Absatzmarkt?
Wenn es im Zuge dieser Krise den einen oder anderen Hedgefonds erwischen sollte, könnte die Nervosität an den Finanzmärkten weiter zunehmen - und sich die Konsumkrise weiter verschärfen. Porsche verfügt über Währungsabsicherungen in US-Dollar, die mittlerweile bis 2013/2014 reichen. Und dieses Hedging sichert Porsche einen besseren Kurs im Vergleich zu unserem Budgetkurs, auf dem wir langfristig aufbauen. Zudem haben wir Vorsorge getroffen und sind in Nordamerika mit einem historisch niedrigen Lagerbestand in das neue Geschäftsjahr 2007/2008 gestartet. Wir sollten in den USA also auch weiterhin gutes Geld verdienen können.
Kommt der Aufbau eines US-Werks für Porsche in Betracht - womöglich zusammen mit VW?
Bei unserer geringen Wertschöpfungstiefe von rund zehn Prozent macht das keinen Sinn. Da unsere Zulieferer in Europa sitzen, müssten wir die meisten Teile ohnehin dorthin exportieren, um dem Risiko von Qualitätsproblemen zu begegnen. Langfristig macht ein solcher Schritt nur Sinn, wenn in den USA eine geeignete Lieferantenbasis bestünde. Und die sehen wir momentan nicht. VW hat mit dem Werk im mexikanischen Puebla bereits einen Standort im Dollar-Raum. Solange diese Fabrik aber nicht voll ausgelastet ist, erscheint es mir kaum ratsam, über eine zusätzliche Fabrik nachzudenken.
Das Ressort Vertrieb ist bei Volkswagen auf Konzernebene seit Langem unbesetzt. Stört Sie die Vakanz?
Dieses Ressort ist aus unserer Sicht eines der wichtigsten im ganzen VW-Konzern, das ohne Zeitdruck besetzt werden sollte. Gute Vertriebsleute sind leider rar und schwer zu finden.