Herzogenaurach. Geißinger hatte hinter dem Rücken der Eigentümerfamilie mit einem chinesischen Investor über einen Einstieg bei Schaeffler verhandelt. So wollte er die hohe Verschuldung nach dem Einstieg bei Continental reduzieren. „Man sträubt sich nicht grundsätzlich gegen die Aufnahme von Investoren“, heißt es im Umfeld der Familie, die bisher alle Anteile hält, „die Schaefflers wären bei solchen Schritten nur gerne eingebunden.“ Finanzexperten raten der Familie nun zum Börsengang: „Einen besseren Zeitpunkt gibt es nicht“, sagt Arndt Ellinghorst, Automotive- Experte beim unabhängigen Analysehaus ISI Group in London. Schaeffler sei als hoch profitabler Spezialist für Wälzlager, Motorsteuerungen und Elektroantriebe derzeit hervorragend bewertet: „Das operative Geschäft von Schaeffler ist, basierend auf der aktuellen Bewertung von Vergleichsunternehmen, rund 16 Milliarden Euro wert. Das Unternehmen hat 6,1 Milliarden Euro Nettoschulden in der operativen Gesellschaft und 3,2 Milliarden Euro in der Holding“, rechnet Ellinghorst vor. Wenn nur 50 Prozent von Schaeffler an die Börse gingen, könne die Familie die Schulden weitgehend abbauen, ohne die Kontrolle zu verlieren. Andere Analysten teilen diese Einschätzung – und halten Geißingers Abgang für eine notwendige Voraussetzung eines Börsengangs. Der für seinen ruppigen Führungsstil bekannte Manager sei – trotz aller Erfolge im operativen Geschäft – „nicht kapitalmarktfähig“, so ein Analyst.
Wie eine Befreiung
Nach der Trennung von Vorstandschef Jürgen Geißinger erläuterte Aufsichtsratschef Georg Schaeffler vor Führungskräften des Unternehmens die Gründe für dessen Ausscheiden: Es habe keine Vertrauensbasis mehr für eine weitere Zusammenarbeit gegeben, so der Sohn von Maria-Elisabeth Schaeffler, der die Mehrheit der Anteile hält. Ein Teilnehmer des Treffens sagte der Automobilwoche, es habe in den vergangenen Monaten Misstrauen und Unsicherheit im Unternehmen geherrscht. Deshalb habe die Trennung von Geißinger „wie eine Befreiung“ gewirkt, auch wenn nicht klar sei, wer der Nachfolger wird.