In den Belegschaften der meisten deutschen Automobilhersteller herrscht derzeit Jubelstimmung. Nicht nur, dass die Arbeitsplätze so sicher sind wie lange nicht. Wöchentlich überschlagen sich die Konzerne mit Meldungen über Rekord-Bonuszahlungen an ihre Mitarbeiter. Mercedes: 4100 Euro. Volkswagen: 7500 Euro. Porsche: 7600 Euro. BMW: 7650 Euro. Audi: 8251 Euro. Das ist eine Menge Geld vor dem Hintergrund, dass die Gewerkschaften derzeit um ein paar Prozent Tariferhöhung kämpfen. Dass die Bandarbeiter am Rekordgewinn ihrer Arbeitgeber partizipieren und teilweise das Doppelte eines Monatsgehalts als Bonus bekommen, sei ihnen gegönnt.
Doch der Geldsegen hat eine Kehrseite: Bei manchem Zulieferer regt sich Unmut in der Belegschaft. "Wie wollen wir noch unsere Mitarbeiter motivieren, am Wochenende in die Werkshallen zu kommen und Teile zu fertigen, wenn wir solche Prämien niemals werden zahlen können?“, sagte kürzlich der Chef eines Zulieferers hinter vorgehaltener Hand. Dessen Unternehmen ist zwar in seinen Bereichen Technologie- und Marktführer. Dennoch kann er wegen des Preisdrucks seiner Kunden "nie und nimmer“ die Profitabilität von Audi, BMW oder Mercedes erreichen. So zahlt Continental den Tarifbeschäftigten in Deutschland eine Prämie von durchschnittlich 659 Euro. Bei Bosch ist die Erfolgsbeteiligung sogar von 48 auf 36 Prozent eines Monatsgehalts gesunken. Die Mitarbeiter von Webasto erhalten immerhin 3200 Euro.
Doch selbst dieser Wert ist weit von dem der Kunden entfernt. Die betreffenden Autohersteller dürften sich mit ihren hohen Boni deshalb eine längst überfällige Debatte über eine gerechtere Verteilung der Profite entlang der Wertschöpfungskette eingehandelt haben. Denn die Frage, ob Volkswagen, Daimler oder BMW ohne die deutsche Zulieferindustrie im In- und Ausland so erfolgreich wären, ist berechtigt. Aufgeladene Benzin-Direkteinspritzer, mitentwickelt von Bosch, Continental und Schaeffler, mit Teilen von Mahle, ElringKlinger und Beru sind nur ein Beispiel, die Getriebe von ZF ein weiteres. Und wenn wir schon dabei sind: Am anderen Ende der Wertschöpfungskette, beim Handel, dürften die Rekordzahlen der Hersteller ebenfalls lange überfällige Fragen auslösen.