München. Diese Form der lokalisierten Werbung hat Manfred Bodmeier schon lange im Auge. Bodmeier ist Chef von Airmotion, einem Nachrichtenanbieter, dessen Meldungen dem Fahrer vorgelesen werden, gleichzeitig aber auch auf dem Display erscheinen. Automobilhersteller wie Daimler oder Jaguar Land Rover haben diesen Nachrichtenservice in ihre Fahrzeuge integriert. Bei Jaguar Land Rover ist das die Airmotion-App „News OnBoard“, über die Nachrichten direkt in das Infotainmentsystem geladen und vorgelesen werden können. Der Service ist zwar für Jaguar- und Land Rover-Fahrer kostenlos, die Nachrichten werden allerdings regelmäßig durch Werbeblöcke unterbrochen. „Der nächste Schritt wird sein, dass wir mehr über den Fahrer des Autos wissen, ihn lokalisieren und so exakt auf ihn zugeschnittene Werbung zwischen den Nachrichten ausspielen können“, sagte Bodmeier im Gespräch mit der Automobilwoche, „vielleicht sogar schon in zwei Jahren.“ Der Vorteil, den Bodmeier bei diesen sogenannten „Location Based Services“ sieht, ist der Mehrwert für den Empfänger. „Werbung nervt. Das geht mir auch so. Aber wenn sie sinnvoll zugeschnitten ist, kann ich davon sogar profitieren“, sagt er. Die Umstellung auf Werbung mit spezifischen lokalen Inhalten sieht Bodmeier derzeit noch als problematisch. „Deutsche tun sich schwer, eigene Daten frei oder wenigstens eingeschränkt und anonym zugänglich zu machen. In anderen Ländern ist das anders“, sagt er. Schon jetzt könnte die App dem Fahrer bestimmte Services anbieten, die durch seinen aktuellen Ort generiert wurden – es fehlen aber die Angebote seitens der Werbetreibenden. „Möglich wäre eine Partnerschaft mit einer Tankstellenkette. Der Fahrer könnte über eine Audio- Werbung wenige Kilometer vor der nächsten Tankstelle informiert werden, dass er dort zu einem gewissen Preis tanken kann. Wenn er auf unsere Empfehlung dort tankt, bekommt er noch ein Geschenk oder einen Preisnachlass dazu“, sagt Bodmeier. Aber wann dieser Service kommt, steht in den Sternen.
Datenauswertung
Werbung maßgeschneidert
Die Werbeträger der Zukunft sind Infotainmentsysteme in Autos. Gerade durch die Vernetzung von Auto und Fahrer entsteht ein neuer Markt für die Werbeindustrie: „Ein mögliches Szenario könnte sein, dass der Kunde an einem Möbelhaus vorbeifährt und per Sprachansage oder über den Bildschirm eine Einladung zum Frühstück erhält oder aber sich direkt einen Rabattcoupon für ein Produkt über das Infotainmentsystem aufs Smartphone herunterladen kann“, sagte Markus Deutsch von der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft und Unternehmensberatung KPMG im Gespräch mit der Automobilwoche. „Die Plattform Auto wird für werbefinanzierte Modelle immer interessanter – ganz egal, ob die Werbung per Sprachansage oder über die Bildfunktion zugespielt wird.“ Durch intelligentes Filtern der Datenmengen wird es künftig leicht, herauszufinden, wer im Auto fährt, wohin er will und was seine Interessen sind. „Auf diese Menschen kann Werbung in Zukunft passgenau zugeschnitten werden“, so Deutsch.