München. Der Kartendienst Here steht weiter zum Verkauf – doch das Feld der Bieter, die die Nokia-Tochter übernehmen wollen, lichtet sich. Bekannt sind nur noch zwei Bietergruppen: Die Autohersteller Daimler, Audi und BMW sollen im Wettstreit um die begehrte Firma mit einem Konsortium von US-Finanzinvestoren konkurrieren. Einer der ursprünglichen Interessenten hat sich jetzt anderweitig verstärkt: Der Fahrdienst-Vermittler Uber übernimmt von Microsoft die Karten-Technologie Bing Maps, ein dazugehöriges Rechenzentrum sowie Kameras und einige Patente. Zum Preis, den Uber für die Bing-Karten gezahlt hat, äußerten sich die Unternehmen auf Nachfrage nicht.
Here mit attraktiven Daten
Jetzt ist der Weg für das deutsche Autohersteller-Konsortium bei Here fast frei. Nach Informationen von Bloomberg liegen Daimler, Audi und BMW gegenüber den US-Investoren vorn. Nokia fordert für seinen Kartendienst drei Milliarden Euro. Fraglich ist allerdings, ob die Hersteller bereit sind, diesen Preis zu zahlen. Aus Branchenkreisen ist zu erfahren, dass die Summe für Here mehr als gerechtfertigt sei: „Der Wert, einen globalen Kartendienst selbst zu besitzen und sich nicht von anderen Dienstleistern abhängig zu machen, ist signifikant hoch.“
Google, so heißt es, könne zudem bei Aktualität und Umfang des Kartenmaterials nicht mithalten, denn Here liefere heute schon Daten, die für Fahrerassistenzsysteme verwendet werden können, etwa um exakte Kurvenprofile zu erstellen. Here, so ein Insider, erfasse die Daten für seine Karten in 180 Ländern, Google in etwa 100. „Das Thema hochauflösende Karten ist eine wesentliche Voraussetzung für das automatisierte Fahren“, sagt Autoexperte Wolfgang Bernhart von der Beratung Roland Berger. „Alternativ könnten die Hersteller nur selbst einen Kartendienst aufbauen, das aber ist sehr aufwendig.“ Auch für Marcus Thielking, Geschäftsführer des Kartenanbieters Telenav, ist klar: „Die Hersteller müssen zuschlagen, denn eine Abhängigkeit von anderen, die sie nicht mehr kontrollieren können, wäre in einem Markt, der auf das autonome Fahren setzt – und das geht nur mit so einer Karte – fatal.“