München. Vor ein paar Tagen klingelte Dominik Reisers Handy. Ein Herr machte dem 31-Jährigen Ingenieur ein Angebot: Mehr Verantwortung sollte er bekommen und neue Strukturen etablieren. „Die Konkurrenz will Sie“, sagte der Headhunter, der Rieser von einem großen Automobilzulieferer zu einem anderen abwerben wollte. Er handelte sich Bedenkzeit aus und landete kurze Zeit später im Netz auf Homepages von Kununu, Jobvoting und MeinChef.de.
Rieser ist ein typischer Nutzer von Jobbewertungsportalen: Er ist um die 30 Jahre alt, hat einen Hochschulabschluss und ist berufstätig. So wie er wollen auch viele andere möglichst viel über ihren künftigen Arbeitgeber erfahren. Eine Bitkom-Studie bestätigt das: Jeder vierte Internetnutzer liest Bewertungen von Arbeitgebern im Netz und macht davon seine Jobentscheidung abhängig.
Darum boomen Portale wie Kununu, der klare Marktführer hierzulande: Zwei Millionen User aus dem deutschsprachigen Raum besuchen die Seite monatlich. Vor sieben Jahren, als die Österreicher Martin und Mark Poreda Kununu als Hobby-Projekt gründeten, war das noch anders. Mittlerweile aber verdienen sie Geld mit ihrer Idee, dass Arbeitnehmer ihren Arbeitgeber anonym im Netz nach Gleichberechtigung, Kollegenzusammenhalt, dem Verhalten der Vorgesetzten oder der Work-Life-Balance bewerten können.
Ähnlich wie bei Kununu läuft die Bewertung auch bei Jobvoting oder für Praktikanten auf der Seite meinpraktikum.de ab. Bewertet ein Mitarbeiter seinen Arbeitgeber erstmalig, ist das Unternehmen registriert. Dann können sich Kollegen und Ehemalige der Bewertung anschließen. Fünf ist die Top-Punktzahl, null ist nichts. Die Nutzer können aber auch Texte schreiben. Kraftausdrücke, firmeninterne Daten oder der Name des Chefs sind Tabu – anders als bei meinChef.de. Marktführer Kununu sieht MeinChef.de und Portale wie BizzWatch oder Jobvoting nicht als ebenbürtige Konkurrenten. „Deren Bewertungszahlen liegen höchstens bei 20.000 gegenüber unseren 658.000“, sagt die Kununu-Sprecherin.