Frankfurt/Main. Es ist kein gutes Zeugnis, das Stephan Vogel, oberster Kreativer der Kommunikationsagentur Ogilvy & Mather in Frankfurt, seiner eigenen Zunft und ihrer Arbeit ausstellt: "Autowerbung ist in den vergangenen Jahren schlechter geworden", kritisiert Vogel und analysiert auch gleich die Gründe: "Die deutschen Hersteller haben den Mut und den Kunden aus den Augen verloren."
Automobilwerbung galt lange als kreative Leitwährung der Branche: unterhaltsam, experimentierfreudig und substanziell. "Früher gab es fantastische Werbung von den großen deutschen Herstellern wie Mercedes, Audi, BMW oder VW. Das hat nachgelassen", sagt Vogel. Die Autobauer konzentrierten sich zunehmend auf einzelne Produkte, aber nicht mehr auf die Markenbotschaft. Bei Audi zum Beispiel war der Kern der Marke "Vorsprung durch Technik". Das Bild der Marke entsteht heute gewissermaßen aus der Summe der eingeführten Neuwagen und Technologieneuheiten. Die eigentliche, übergreifende Markenbotschaft wird hingegen nicht mehr nach außen getragen – das Markenimage wird quasi ausgehöhlt.
Weil die Hersteller ihr Portfolio ständig erweitern, werden sie sich immer ähnlicher. Früher war klar: Mercedes baut Statuslimousinen, BMW sportliche Limousinen und Porsche nur Sportwagen. Mittlerweile werden aber die Schnittmengen immer größer. "Jeder Autokonzern ist heute ein Gemischtwarenladen", sagt Ogilvy-Werber Vogel. "Wenn dann nicht klar ist, wofür die Marke im Kern steht, werden die Produkte austauschbar und die Wechselbereitschaft der Kunden steigt." Seine Empfehlung: mehr Inhalt, weniger Produkt.