Babenhausen. Für das sogenannte AR-HUD ergänzt Continental das bisherige Head-up-Display um eine zweite Projektionseinheit: Während wie bisher ein TFT-Display über einen Spiegel zum Beispiel die aktuelle Geschwindigkeit und die Abbiegehinweise in einer Blickentfernung von 2,40 Metern in die Scheibe projizieren, rückt das Bild auf der AR-Ebene etwa 7,50 Meter vom Auge weg. Erzeugt wird es von einem sogenannten Digital- Micromirror-Device (DMD), in dem Hunderte mikroskopisch kleine Spiegel das Bild erzeugen. Das ist nicht nur weiter entfernt und in der Position variabel, sondern auch viel größer: Statt 21 x 4 Zentimeter misst es 130 x 60 Zentimeter. Positioniert wird das Bild mithilfe von Kameradaten, die in einem „AR-Creator“ analysiert werden. Das Steuergerät erkennt Fahrbahnmarkierungen, Kreuzungen oder vorausfahrende Fahrzeuge, retuschiert das virtuelle Bild an der passenden Stelle in die Realität und stabilisiert die Anzeigen so, dass sie auch in Kurven oder auf Kuppen nicht vor den Augen tanzen.
Weitsicht mit Mehrwert
Die DMD-Technik allein geht bereits 2016 in Serie. Wenn im Jahr darauf auch das AR-Modul marktreif ist, will es Continental zunächst für die Anzeige von Navigationshinweisen, für die Spurverlassenswarnung und für die Orientierungshilfe bei der automatischen Abstandregelung nutzen. Richter sieht im AR-HUD mehr als nur eine große Entlastung für den Fahrer. Er wertet das System auch als Brückentechnologie für das autonome Fahren. In einem ersten Schritt, weil die Anzeige Vertrauen in den Autopiloten schafft und eine Schlüsselrolle bei der Rückgabe des Fahrkommandos übernehmen könnte. Und in einem zweiten Schritt, weil man auf der großen Projektionsfläche viel besser E-Mails lesen oder Videos sehen kann als auf den kleinen Displays im Cockpit. Obwohl zunächst nur ein Nischenprodukt für die Premiumklasse, setzt Continental-Bereichsleiter Eelco Spoelder große Hoffnungen in das AR-HUD und will sich ein großes Stück vom Kuchen dieser Technologie abschneiden. „Denn bereits in diesem Jahr werden weltweit 1,5 Millionen HUD-Systeme verkauft. Weil in den nächsten Jahren über 60 neue Baureihen damit ausgerüstet werden, gehen wir davon aus, dass sich diese Zahl bis 2018 verdreifacht“, sagt Spoelder. Dabei will Continental den Markt auch von unten aufrollen: Ab 2015 bietet der Zulieferer eine Einstiegslösung mit ausklappbarer Projektionsscheibe an.