Genf. Die Zugabe von Wasser bei hoher Last und Drehzahlen jenseits von 5000 Umdrehungen pro Minute senkt die Temperatur im Brennraum. Eine Leistungssteigerung von etwa acht Prozent lässt sich dadurch erzielen. Bereits in der heutigen Serienausführung beträgt die Nennleistung des Reihensechszylindermotors 317 Kilowatt. Die Wassereinspritzung wird für den Serieneinsatz besonders attraktiv, weil auf die sonst übliche Volllastanfettung verzichtet werden kann. Diese ist notwendig, um die Bauteile auf der Auslass- Seite, insbesondere die Auslassventile und den Turbolader, vor den hohen Abgastemperaturen von bis zu 1050 Grad Celsius zu schützen. Zudem senkt dies den Kraftstoffverbrauch bei schnellen Autobahnfahrten. Langfristig könnte die Wassereinspritzung sogar – wie bei heutigen Schiffsdieselmotoren - zur Schadstoffminderung genutzt werden, indem man die Verdichtung des Motors deutlich erhöht und unkontrollierten Selbstzündungen („Klopfen“) durch die Absenkung der Verbrennungstemperatur entgegenwirkt. Bei der von BMW vorgestellten Lösung wird das Wasser mit einem Druck von zehn Bar in die Ansauganlage eingespritzt. „Ein Großteil des Wassers verdampft dort direkt und senkt die Temperatur der zugeführten Luft“, erläutert Antriebsentwickler Poggel. Das Wasser führt BMW in einem Fünf-Liter-Tank mit, der in der Reserveradmulde untergebracht wird. „Das reicht bei forcierter Autobahnfahrt so weit, dass der Fahrer nur bei jedem fünften Tankstopp destilliertes Wasser nachfüllen muss.“ Sollte er das Nachfüllen vergessen, hat dies außer einer etwas geringeren Leistung keinen Einfluss, da die Motorsteuerung sich entsprechend anpasst. Das Einfrieren bei niedrigen Temperaturen, bislang das Hauptargument gegen die Wassereinspritzung, sieht Poggel nicht als Problem: „Wir saugen die komplette Anlage bei jedem Abstellen des Fahrzeugs komplett leer.“ Sinkt die Außentemperatur unter null Grad Celsius, reiche in der Regel ohnehin die vorhandene Ladeluftkühlung, sodass eine Wassereinspritzung nicht nötig ist. Auf die theoretisch mögliche Wassergewinnung aus dem Abgas will BMW vorerst verzichten. Um das Kondensat zu erzeugen, würden Kühler an der Abgasanlage benötigt. Das wäre ein großer Aufwand, solange man solche Kühler nicht dafür nutzen kann, über einen thermoelektrischen Generator gleichzeitig Strom zu erzeugen.
BMW will Technologie
Weiß-blaue Wiedergeburt der Wassereinspritzung
Erstmals seit dem Saab 99, dessen Produktion 1984 eingestellt wurde, kommt die Wassereinspritzung wieder in einem Serien- Pkw zum Einsatz. Dies kündigte BMW auf dem Genfer Auto- Salon an. Zunächst wird das System zwar nur in wenigen M4 Coupés eingesetzt, die als Safety Car für die Motorrad-Weltmeisterschaft fungieren sollen. Die Serienentwicklung läuft aber bereits parallel, wie Jürgen Poggel, Leiter der Antriebsentwicklung der BMW M GmbH, im Gespräch mit der Automobilwoche bestätigte.