Automobilwoche: Herr Prüfer, 2013 war für den Reifenhandel kein gutes Jahr. Der Onlinehandel bildet die Ausnahme. Warum läuft es dort so viel besser?
Andreas Prüfer: Ich glaube Online an sich läuft besser. Das hat nichts mit Reifen zu tun. Alle Onlinefirmen geben Jahr für Jahr höhere Umsätze bekannt. Und ich denke, das wird auch noch eine Weile so weitergehen. Die Menschen wollen online einkaufen. Das ist bequem und einfach, die Preise und die Lieferung sind akzeptabel. Das gilt für den Reifenbereich genauso. Und dann machen es die Leute auch.
Wie groß ist die Rolle, die der Preis für den Onlinekauf bei Reifen spielt?
Allgemein ist im Internet der Preis sehr wichtig. Aber es kommt nicht nur darauf an. Auch Vertrauen spielt eine Rolle. Das merken wir deutlich. Reifendirekt geht ins 15. Jahr. Da bekommt man mehr Vertrauen als ein schnell eröffnetes neues Angebot.
Bleibt unterm Strich angesichts des Preiswettbewerbs genügend übrig?
Es ist immer zu wenig, das ist ja völlig klar (lacht). Wie viel, ist situationsabhängig. 2011 blieb sehr viel übrig, 2012 weniger. Die Zahlen zu 2013 werden wir erst im März bekanntgeben.
Wo sehen Sie den Anteil von Delticom am Onlinegeschäft im Jahr 2020?
Uns genügt eine vernünftige Position. Wie die genau aussieht, werden wir sehen. Momentan passiert so viel, dass man nicht sechs Jahre nach vorne schauen kann.
Der Reifenhandelsverband BRV hat im vergangenen Jahr seine Mitglieder zur Zusammenarbeit mit Onlineportalen geraten. Hilft Ihnen das?
Unser Verhältnis zum stationären Reifenhandel ist gut. Wir sind ja auch Mitglied im BRV. Einen Effekt der Empfehlung auf unsere Arbeit haben wir allerdings nicht bemerkt. Wir sind schon jetzt gut vernetzt.
Wird es den klassischen Reifenfachhandel 2030 noch geben, oder wird er zum Dienstleister, der nicht mehr selbst verkauft?
Diese Frage kann man für jede Branche stellen: wird der Verkauf komplett im Internet stattfinden? Ich glaube nicht, dass das 2030 schon der Fall sein wird. Dafür wäre auch erforderlich, dass die Technik sich deutlich weiterentwickelt.
Der BRV bringt mit Gripgate sein eigenes Reifenportal an den Start. Müssen Sie die Konkurrenz fürchten?
Nein. Jeder gute Vermarkter hilft. Wir machen uns eher Sorgen um unseriöse Vermarkter. Die schaden mit falschen Versprechungen der ganzen Branche. Auch wegen der Konkurrenz mache ich mir keine Sorgen. Durch unsere Vernetzung und Präsenz im Internet haben wir einen deutlichen Vorsprung. Da haben wir auch durch die Kooperation mit Tirendo noch gelernt.
Vergangenes Jahr haben Sie Tirendo gekauft. Hat dabei auch die Tatsache eine Rolle gespielt, dass Sie so einen Konkurrenten ausgeschaltet haben?
Entscheidend war, dass Tirendo etwas perfekt konnte, das wir sonst mühsam hätten aufbauen müssen. So haben wir zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen. Wir konnten Tirendo das geben, was Delticom perfekt beherrscht, wie Einkaufssysteme und Internetpräsenz. Und auf der anderen Seite haben wir von Tirendo den aggressiven Vermarktungsweg und seine wissenschaftliche Begleitung bekommen.
Wie funktioniert die Kooperation?
Wir kaufen gemeinsam ein, tauschen uns auch aus. Aber im Markt machen wir zwei verschiedene Angebote. Das trifft teilweise unterschiedliche Zielgruppen. Wir bekommen durch Tirendo Neukunden, die noch nicht bei Reifendirekt eingekauft haben.
Delticom ist inzwischen in 42 Ländern aktiv, bei Tirendo sind es acht. Werden Sie Ihre neue Tochter ebenso stark internationalisieren?
Es gibt einen Internationalisierungsplan für Tirendo. Wir machen das Schritt für Schritt.
Und die Internationalisierung der Hauptmarke?
Europa bietet noch jede Menge Potenzial. Das nutzen wir jetzt aus. Wir sind auch in den USA und in Singapur vertreten. Aber im Moment liegt der Fokus der Delticom ganz klar auf Europa.
Wie wirkt sich das Thema RDKS (Reifendruckkontrollsystem) mit seinem Beratungsbedarf für Sie aus?
Wir bereiten das seit einem Jahr intensiv vor. In unserem Onlineshop ReifenDirekt.de informieren wir bereits sowohl Montagepartner als auch Endverbraucher über RDKS.