Wolfsburg. Flexibel auf Nachfragespitzen zu reagieren und dennoch eine ausgeglichene Produktionskapazität aufrechtzuerhalten, das erreicht Volkswagen mit dem neuen Modularen Produktionsbaukasten (MPB). Damit lässt sich die Fertigungszeit eines Automobils um bis zu 30 Prozent verkürzen. Der von VW-Entwicklungschef Ulrich Hackenberg vorangetriebene Modulare Querbaukasten (MQB) ist künftig die Basis für die meisten Fahrzeuge des VW-Konzerns. Der Modulare Produktionsbaukasten hingegen ist die Grundlage für die Produktion, vom Presswerk bis hin zur Montage. Einzelne Anlagen und Fertigungsbereiche lassen sich in bereits bestehende Fabriken integrieren. Sie können aber auch als Grundlage für neue Fabriken dienen. So wurde das Werk in Chattanooga bereits unter Berücksichtigung des MPB geplant.
Die neuen Fabriken in China werden nach dem gleichen Prinzip errichtet. Der Aufbau des Werks im chinesischen Foshan, wo ab Mitte 2013 der Audi A3 an der Seite des Golf produziert wird, ist ein Beispiel dafür, dass Modelle verschiedener Konzernmarken künftig auch aus einer Produktionsstätte kommen können. Auf globaler Ebene erreicht VW mit diesem System eine modell- und markenübergreifende Flexibilität der Werke. Der MPB reduziert Investitionen, steigert die Produktivität und macht neue Produktionsanläufe stabiler und besser kalkulierbar. Beim MPB können standardisierte Elemente durch flexible Anordnung zu immer neuen Systemen kombiniert werden. Dadurch wird eine hohe Flexibilität der Anlagen erreicht. Im übertragenen Sinn greift man in bestimmte Schubladen und rüstet die standardisierten Produktionsmaschinen mit den für das zu produzierende Modell notwendigen Werkzeugen aus. Theoretisch könnte jedes auf dem MQB basierende Modell an jedem beliebigen Standort gefertigt werden – weltweit.
In voller Auslastung könnten auf einer Produktionslinie bis zu 60 Autos von zwei verschiedenen Typen und Marken pro Stunde gefertigt werden. Für VW ist dies die Zukunft der Produktion. Sogar die Vorserienfertigung arbeitet mit den Werkzeugen, die später in der Serienproduktion zum Einsatz kommen. Ein weiterer Zeitspar-Faktor. Durch die Standardisierungen der Werkzeuge brauchen die Mitarbeiter in der Regel keine neue Einarbeitung. So können auch kurzfristige Produktionsspitzen bei bestimmten Modellen kompensiert werden, indem vorübergehend das Personal aufgestockt wird. Auch für Elektrofahrzeuge soll der MPB nutzbar sein. „Hierfür brauchen wir entsprechende Prüftechnologien und spezielle Schulungen für die Mitarbeiter“, sagt VW-Produktionsvorstand Hubert Waltl. Entwicklung und Produktion haben in enger Abstimmung zusammengearbeitet, um die beiden Baukästen MQB und MPB aufeinander abzustimmen. Mehr als 40 Modelle lassen sich künftig mit den modularen Baukästen herstellen. Für den Volkswagen- Konzern sind sie ein Instrument, um auch auf Basis der Mehrmarkenstrategie flexibel, wirtschaftlich und kundenorientiert produzieren zu können.