Resende. In Brasilien und Mexiko produziert VW Truck and Bus eine breite Nutzfahrzeugpalette. Automobilwoche sprach mit Bernd Wiedemann, Vorstand der Muttergesellschaft VW Nutzfahrzeuge.
Herr Wiedemann, auch den Volkswagen-Konzern zwingt der hohe Kostendruck im Fahrzeuggeschäft zur Suche nach Sparpotenzialen. Ist das "Consorcio Modular", die sehr enge Einbindung der Zulieferer im VWN-Werk Resende, als Geschäftsmodell auf andere Sparten übertragbar?
Ja, aber nur bedingt. Einige Ansätze aus unserem Produktions- und Vertriebsmodell in Brasilien liessen sich gewiss mit Erfolg ebenso im Pkw-Sektor verwenden. Auch dort ist Lean Manufacturing ja ein immens wichtiges Thema. Doch in Resende hatten wir die aussergewöhnliche Chance, ein ganz neues Werk auf der grünen Wiese zu errichten. In einer bestehenden Fabrik wäre allein der optimale Fertigungs- und Logistikfluss weitaus schwieriger zu erreichen gewesen.
Planen Sie, das Know-how aus Brasilien VW-fremden Unternehmen anzubieten? Porsche Consulting etwa verdient mit dem Einsatz interner Berater in anderen Branchen gutes Geld.
Nein, diese Option sehe ich derzeit nicht. Unser Methoden- und Werkzeugspektrum in Resende ist doch recht speziell. Insofern wäre der Kreis potenzieller Interessenten vermutlich eher begrenzt.
Werden Sie die Zahl der am Consorcio Modular beteiligten Lieferanten bald ausbauen?
Momentan sind wir mit den sieben prozessverantwortlichen Partnern bestens aufgestellt. Überdies haben die Produkte im Nutzfahrzeugbereich erheblich längere Lebenszyklen als im Pkw-Sektor. Unsere neue Truck-Serie "Constellation", die wir jüngst vorgestellt haben, ist für eine Laufzeit von mindestens 15 Jahren vorgesehen. Akuter Handlungsbedarf bei Art und Umfang des Zuliefernetzwerks in Resende ist mithin nicht gegeben.
Bei Beobachtern von Nutzfahrzeugmärkten wie China und Indien scheint die Euphorie über enorme Wachstumschancen einer gewissen Ernüchterung gewichen. Auch bei VW Nutzfahrzeuge?
Die genannten Märkte haben sich in der Tat nicht ganz so stürmisch entwickelt wie ursprünglich angenommen. Und angesichts des Preiswettbewerbs auf vielen der Emerging Markets ist es nicht immer leicht, die Wertigkeit unserer Produkte entsprechend umzusetzen. Dennoch rechnen wir auf unseren Zielmärkten in der südlichen Hemisphäre weiterhin mit erfreulichen Wachstumsraten.
Gilt das auch für europäische Märkte, die VWN aus den Werken Hannover und Pozna´n bedient? Sind die Arbeitsplätze im Stammwerk wirklich sicher?
Was ist in Zeiten wie diesen sicher? Wir haben einen Tarifvertrag bis 2011 geschlossen, den wir einhalten wollen. Im Hinblick auf die Fabriken in Hannover und Pozna´n zahlt sich nun aus, dass wir sie im Fertigungsverbund als "Drehscheiben" verknüpft haben. Bei Auftragsschwankungen können wir mit Produktionsverlagerungen von Derivaten der Transporterbaureihe T5 flexibel reagieren.
Das Interview führte Henning Krogh.