Piëch werde als Sieger vom Platz gehen, war die vorherrschende Meinung noch vor drei Wochen. Er habe eine Schlacht verloren, nicht aber den Krieg, hieß es nach Salzburg. Und jetzt, nach Braunschweig, verweist man auf Piëchs Trumpfkarten als Anteilseigner. Eines fernen Tages wird dann sicher auch seine Wiedergeburt nicht ausgeschlossen werden. Das zeigt, wie schwer man sich tut, vom VW-Patriarchen, vom Mythos Ferdinand Piëch Abschied zu nehmen. Dem genialen Auto- und Konzern-Konstrukteur, den die Automobilwoche-Leser 2010 mit absoluter Mehrheit zur Persönlichkeit des Jahrzehnts gewählt haben. Wer den Lauf einer abgehenden Lawine falsch einschätzt, dem bleibt oft nur noch Zeit für ein „shit happens“ – ein mittlerweile geflügeltes Wort, mit dem Wolfgang Bernhard 2004 Jürgen Schrempps Abstimmungsniederlage zu Mitsubishi kommentierte. Statt Mister Mercedes wurde Bernhard für kurze Zeit, bis Martin Winterkorn kam, Mister Volkswagen. Die Aufgabe also, die nun Herbert Diess übernehmen soll.
Ob Winterkorn den Ex-BMW-Vorstand nach dessen schonungsloser VW-Kritik von vorletzter Woche noch brauchen kann, wird sich zeigen. Zu teuer, zu ineffizient und zu viel Personal, war Diess’ Urteil, das er auch dem Aufsichtsratsvorsitzenden in Salzburg übermittelte. Die technische Analyse mag richtig sein. Ob sie zielführend ist in einem doch „etwas größeren Konzern als BMW“, wie es Bernd Osterloh im Interview mit dieser Zeitung formulierte, bleibt abzuwarten. Ohne Hausmacht im Interessengestrüpp von Politik, Gewerkschaft und Familie kann solch ein Schuss zum Kollateralschaden führen. Diess’ Vorgänger Bernhard baut jedenfalls heute nicht mehr „Das Auto“, sondern Trucks in Stuttgart. Die hochexplosive Stimmung darf die gute wirtschaftliche Entwicklung bei VW nicht gefährden. Womöglich wäre ein besonnener, auf Ausgleich bedachter Aufsichtsratsvorsitzender die richtige Entscheidung. Wolfgang Porsche hat diese Fähigkeiten. Den „ alten“ Ferdinand, den Erfinder des Volkswagens, würde es sicher freuen.