Kitzbühel. Dass Škoda trotzdem mehr Autos verkaufen wird, verdankt die VW-Tochter den Märkten in Russland, China oder Indien: "Diese Internationalisierung wird unser Wachstum tragen“, so Vahland. Die Eroberung weiterer Kontinente steht allerdings nicht oben auf der Agenda: "Nord- und Südamerika haben wir vielleicht ganz weit hinten im Hinterkopf. Aber in den nächsten Jahren sehe ich uns da nicht“, sagt Vahland. Es sei viel zu schwer und zu teuer, eine neue Marke in so reifen und zum Teil sogar gesättigten Märkten zu etablieren. "Da haben wir in China genau den richtigen Zeitpunkt erwischt.“ Außerdem müsse man beim Stichwort Amerika immer auch an eine lokale Produktion denken – was die Hürde noch einmal erhöht. "Andererseits würden Autos wie Octavia und Superb als große, bezahlbare Limousinen gut auf den US-Markt passen“, lässt er sich ein Hintertürchen offen.
In Ländern wie China oder Indien ist Škoda mit Problemen konfrontiert, die man von anderen Märkten nicht kennt. Zum Beispiel im Handel: "Die Kunden sind – dem Internet sei Dank – bestens informiert, aber unsere Verkäufer können dort oft nicht mithalten“, räumt Vahland ein. "Wie soll jemand, der sich bis vor Kurzem kaum ein Fahrrad leisten konnte, jetzt ein Auto für das Vielfache seines Jahreseinkommens erklären und verkaufen?“, fragt der Manager. Da müsse man intensiv schulen und langfristig über alternative Vertriebswege nachdenken, sagt Vahland und sinniert sogar über virtuelle Verkäufer, die als Hologramme aus der Zentrale gesteuert und animiert werden. "Die sind wenigstens immer auf dem neuesten Stand.“ Zunächst aber will Vahland das Händlernetz architektonisch auf Vordermann bringen: "Bis 2015 werden alle 3000 Betriebe weltweit auf das neue Erscheinungsbild umgestellt.“ Ein weiteres Problem sei die völlig unterschiedliche Kundenstruktur: "In Europa ist der Škoda- Kunde im Durchschnitt 55 Jahre alt, in China ist er 32“, sagt Vahland. Dem müsse man womöglich auch mit neuen Produkten Rechnung tragen. Ein sportliches Coupé auf Basis des Octavia zum Beispiel könne er sich dafür gut vorstellen – und es dann auf dem Umweg über den Osten auch in den Westen bringen. "Dank der vielen Märkte können sich auch kleine Stückzahlen in den Nischen rechnen“, sagt Vahland.Schulden sollen für neue Modelle aber nicht gemacht werden, daher bremst Vahland die schnelle Erweiterung der Palette: "Bis 2015 werden wir erst einmal die bestehenden Modelle erneuern“, sagt er mit Blick auf den neuen Fabia im nächsten und den neuen Superb im übernächsten Jahr. "Erst danach haben wir Luft für neue Baureihen.“ Ganz oben auf seiner Wunschliste steht ein großer Bruder für den Geländewagen Yeti, der sich die Technik mit dem Lückenfüller zwischen VW Tiguan und Touareg teilen soll und für 2016 im Škoda-Kalender steht. Cabrios oder Roadster schließt er dagegen aus, und ein kleiner Geländewagen im Stil des VW Taigun hat für ihn keine Priorität: "In China könnten wir den nicht verkaufen, und in Südamerika sind wir nicht vertreten. Deshalb würde sich so ein Modell für uns nicht rechnen.“Wachstum dank Internationalisierung
Škoda hält in wirtschaftlich schwierigen Zeiten an seinen Wachstumsplänen fest. "Wir werden bald die Millionen-Marke knacken und bis 2018 über 1,5 Millionen Autos im Jahr verkaufen“, sagt Škoda-Chef Winfried Vahland. An den europäischen Heimatmarkt, wo der Marktanteil von etwa vier auf rund fünf Prozent steigen soll, hat Vahland keine großen Erwartungen: "Einige unserer Szenarien sehen für die europäischen Märkte schon gar kein Wachstum mehr vor.“