Wolfsburg. Bei der Suche des VW-Konzerns nach dem Standort für eine mögliche neue Autofabrik im Dollar-Raum liegen zwei Bundesstaaten im Süden der USA vorn. „Georgia und South Carolina sind in der engeren Auswahl“, bestätigte ein VW-Insider gegenüber Automobilwoche. „Vorstand und Aufsichtsrat haben die endgültige Entscheidung aber noch nicht getroffen.“ Diese soll spätestens Mitte 2008 gefällt werden.
Als ein wesentlicher Vorzug von South Carolina gilt die dort bereits seit Jahren entwickelte Pkw-Zuliefererstruktur. So lässt die Premiummarke BMW in Spartanburg unter anderem die Allradfahrzeuge der Typen X5 und X6 montieren. Wie Georgia mit Savannah hat South Carolina mit Charleston überdies einen für die logistische Anbindung unverzichtbaren Seehafen zu bieten. Zudem gilt das allgemeine Lohnniveau im Süden der Vereinigten Staaten als vergleichsweise moderat – bei guter Verfügbarkeit ausreichend qualifizierter Arbeitskräfte.
Auch die räumliche Entfernung zur neuen Nordamerika-Zentrale von VW in Herndon/Virginia spricht für den Zuschlag an South Carolina oder Georgia: Per Flugzeug sind die Hauptstädte Columbia und Atlanta in ein bis zwei Stunden zu erreichen. Die drei Staaten liegen in derselben Zeitzone, was etwa spontane Videokonferenzen vereinfachen würde. Und gegenüber Deutschland beträgt die Zeitverschiebung lediglich sechs Stunden. „Wenn Konzernchef Martin Winterkorn in Wolfsburg seinen US-Statthalter Stefan Jacoby in Herndon oder im neuen VW-Werk dringend sprechen muss, ist eine möglichst geringe Zeitverschiebung sehr hilfreich“, betont ein VW-Manager diesen Vorteil.
Eine Entscheidung für Georgia oder South Carolina wäre ein herber Rückschlag für den US-Bundesstaat Alabama, der sich nach der Ansiedlung von Mercedes-Benz in Tuscaloosa Hoffnungen macht auf einen weiteren internationalen Investitionspartner aus der Autobranche. Leer ausgehen würde auch das VW-Werk im mexikanischen Puebla, dessen Erweiterung der VW-Vorstand erwogen hat (Automobilwoche 23/2007).
Wie aus dem Konzern verlautet, hat VW im Zuge der Sondierungen insgeheim auch GM, Ford und Chrysler kontaktiert. Geprüft wurde demnach die Anmietung oder Übernahme von Montagekapazitäten, die von den schrumpfenden „Detroit Three“ nicht mehr benötigt werden. Solche Optionen bezeichnete ein VW-Sprecher auf Anfrage jedoch als „unsinnig“.