Wolfsburg. Angesichts anhaltender Absatzschwäche auf vielen Automärkten plant die Volkswagen AG neue Geschäftsmodelle für den Fahrzeugvertrieb. Dabei geht es um die Übernahme erfolgreicher Handels- und Servicemethoden aus anderen Branchen.
Stefan Jacoby, im VW-Konzern seit Mitte 2004 verantwortlich für die markenübergreifende Koordination von Vertrieb und Marketing, hat deshalb eine Benchmarking-Analyse von Unternehmen der Handy- und Luftfahrtindustrie angeordnet. "Von erfolgreichen Airlines wie Singapore oder Cathay Pacific können wir wertvolle Anregungen erhalten", bestätigte Jacoby im Gespräch mit dieser Zeitung. "Auch Geschäftsmodelle aus dem Telekommunikations-Markt sind für uns interessant."
So hält es Jacoby für "durchaus denkbar", dass der VW-Konzern in einigen Jahren eine Auswahl verschiedener Neuwagen im Rahmen spezieller Pakete den Kunden gegen eine Nutzungsgebühr überlässt. "Telekommunikationsfirmen verdienen in erster Linie an den Dienstleistungen", so Jacoby. Über ein ähnliches Modell könnte VW möglichen Interessenten in Zukunft etwa ein SUV wie den Touareg für den Wintereinsatz anbieten, das im Sommer "ohne grossen Papierkram" (Jacoby) gegen ein Cabrio getauscht werden kann. Für Fahrten im Ausland könnte die VW-Tochter Europcar Mietwagen-Pakete offerieren.
"Die Kunst des Marketings besteht darin, in gesättigten Märkten wie Deutschland nachhaltig neue Kaufanreize mit hoher Kundenrelevanz zu schaffen", so Jacoby gegenüber Automobilwoche.
Für Impulse zur Verbesserung des Aftersales-Sektors und des Customer Relationship Managements bei VW lässt Jacoby seine Experten auch bei der Deutschen Lufthansa AG nach Ideen suchen. "Bei Kundenbindungsprogrammen ist die Fluggesellschaft vorbildlich", so Jacoby. "Hier kann der Volkswagen-Konzern noch zulegen."