München. Volkwagen hat den geplanten Großangriff auf den freien Servicemarkt beendet, nachdem die Servicekette Stop + Go nie das angestrebte Expansionstempo erreicht hat. Nun soll es der bisherige Chef des Werkstattkonzepts und frühere ATU-Vertriebsleiter Detlef Saemisch richten. Denn nach Millionenverlusten über mehrere Jahre haben die Wolfsburger zum Jahreswechsel den Stecker gezogen und Stop + Go abgegeben. Die Systemzentrale gehört nun der Düsseldorfer Stop + Go GmbH. Und deren alleiniger Gesellschafter ist Detlef Saemisch, der seinen Geschäftsanteil von 25.000 Euro auf eine Million Euro aufgestockt hat. Mit einer Neuausrichtung wollte VW ab 2008 jährlich 20 Stop + Go-Werkstätten gewinnen, Franchise- ebenso wie Filialbetriebe.
„Deutlich Potenzial schöpfen und Marktanteile gewinnen“ wollte der damalige Servicechef des VWKonzerns, Peter Porbeck. Weil in die Werkstätten der VW-Partner vor allem jüngere Fahrzeuge rollen, sollten zu Stop + Go Autos ab acht Jahren kommen – und zwar markenübergreifend. Stop + Go sollte die „Serviceoffensive des Volkswagen-Konzerns“ nachhaltig stärken. Doch bei den VW-Partnern wurde in Zeiten der Finanz- und Autokrise das Geld für das Kerngeschäft benötigt, der kostspielige Aufbau eines Servicenetzes für den freien Markt, mit dem VW den Marktführer ATU hätte bedrängen können, hatte keine Priorität. Entsprechend deutlich blieb die Expansion unter Plan, die Investitionsbereitschaft des Vertragshandels sei „sehr stark eingeschränkt“ gewesen, heißt es im Jahresabschluss für 2009.
Das Ergebnis für VW Retail: ein Vorsteuerverlust von 9,25 Millionen Euro nach 7,9 Millionen Euro im Jahr 2008. Auch für 2010 wurde kein Gewinn erwartet, eine „deutliche Reduzierung des von der VW Retail auszugleichenden Verlustes“ war das nüchterne Ziel. In Wolfsburg ist man dennoch der Ansicht, Stop + Go habe sich „insgesamt als erfolgreich erwiesen“, wie es auf Anfrage hieß. Dennoch wolle man „dieses Geschäftsfeld zukünftig über die Servicebetriebe unserer Marken führen“, sagte ein VW-Sprecher. Dafür habe man bereits nach Fahrzeugalter gestaffelte Rabatte, Paketpreise und Austauschteile eingeführt. Weitere Angebote für ältere Fahrzeuge sollen folgen.