Wolfsburg. Volkswagen forciert die Senkung der Produktkosten im Rahmen des Sparprogramms "ForMotion". Aufgrund von Einsparungen an der Technik wichtiger Modelle aber sieht sich VW nun wachsendem Ärger auf Seiten der Kundschaft und des Handels ausgesetzt. Auslöser sind Modifikationen der Ausstattungsumfänge bei der Golf V-Limousine und deren Hochdachableger Golf Plus im Zuge des Modelljahreswechsels.
So werden beide Fahrzeuge ausweislich VW-interner Unterlagen, die dieser Zeitung vorliegen, seit der "Produktionswoche 22/05" (Ende Mai/Anfang Juni) nicht mehr wie zuvor mit einer unauffällig in die Heckscheibe integrierten Radioantenne, sondern mit einer für VW preisgünstigeren Stabantenne ausgeliefert. "Der mehr als 40 Zentimeter lange Stab auf dem Dach stört die optische Anmutung der Autos empfindlich", klagt ein grosser VW-Händler aus dem Raum Köln. "Und ihren Frust laden die Käufer natürlich bei uns ab." Verkäufer Hans-Jürgen Voss vom Hamburger VW-Betrieb Fritz Noack + Sohn verweist in seiner Erklärungsnot auf das klein Gedruckte: "Änderungen vorbehalten", so Voss, "steht auf allen Katalogen."
Bei den VW-Vertriebspartnern wächst jetzt die Sorge, dass VW-Markenvorstand Wolfgang Bernhard rasch weitere "technische Entfeinerungen" realisiert. In so genannten Kostenklausuren lässt der Wirtschaftsingenieur ob der angespannten Ertragssituation bei VW intensiv nach Einsparpotenzialen suchen.
Ein VW-Sprecher versichert zwar, dass die "Antennen-Aktion seit einem Jahr", mithin lange vor Bernhards Einstieg bei VW geplant gewesen sei. Doch betont Bernhard, dass er dringend "von unseren hohen Kosten runterkommen" will. Folglich liess der Topmanager zu, dass bei einigen Motorisierungsversionen des Golf Plus jüngst die Batterie mit einer Elektrizitätsmenge von ursprünglich 60 Amperestunden durch einen Typ mit nur noch 44 Amperestunden ersetzt wurde, der im Einkauf billiger ist.
Anders als bei Kunden und Händlern finden die Sparmassnahmen bei Industrieexperten Zustimmung: "Derlei De-Contenting praktiziert der japanische Wettbewerber Toyota seit Jahren erfolgreich", sagt Ralf Kalmbach, Automotive-Spezialist der Unternehmensberatung Roland Berger. "VW, BMW, Mercedes & Co. tun gut daran, hier zügig zur Konkurrenz aufzuschliessen."