Wolfsburg. Nach aktuellen Analysen zu sogenannten Biokraftstoffen der zweiten Generation wächst im VW-Konzern die Zuversicht im Hinblick auf Kosten, Öko-Bilanz und Verfügbarkeit der aus landwirtschaftlichen Reststoffen und Abfallmaterial (Biomasse) gewonnenen Energieträger. Die Kraftstoffgewinnung durch diese Biomass-to-Liquid-Technik (BTL) geht nicht zulasten der Nahrungsmittelproduktion. Im Rahmen des von VW koordinierten EU-Projekts Renew ("Renewable Fuels for advanced Powertrains") hatten 32 Unternehmen und Forschungsinstitute sechs innovative Verfahren zur Herstellung von Biokraftstoff untersucht. Bei Temperaturen von 800 bis 1300 Grad Celsius waren Holzreste sowie Stroh und Schilfgräser zu Synthesegas verschwelt worden.
VW hatte für Renew nach Angaben des Unternehmens "die Eigenschaften der Fischer-Tropsch-Kraftstoffe BTL-Diesel und BTL-Naphtha in Motoren aus der Serienfertigung und für zukünftige Konzepte mittels Forschungseinzylinder" geprüft. "BTL-Diesel kann schon heute in beliebigem Mischungsverhältnis problemlos in allen Dieselmotoren eingesetzt werden", sagt Frank Seyfried, Leiter der VW-Abteilung Brennstoffzelle und Kraftstoffe. BTL-Naphtha wiederum, ein Benzin mit geringer Oktanzahl, könnte als Kraftstoff für künftige Antriebskonzepte wie verbrauchsarme HCCI("Homogeneous Charge Compression Ignition")-Motoren taugen.
Auch die VW-Luxusmarke Bentley will die Öko-Bilanz ihrer PS-starken Modelle durch den verstärkten Einsatz von Biokraftstoffen der zweiten Generation verbessern. "Auf Basis des Well-to-Wheel-Ansatzes ermöglichen sie eine konstant hohe Nettoreduzierung der CO2-Emissionen um bis zu 90 Prozent", so Markenchef Franz-Josef Paefgen.