Die Zusage, neben dem neuen Golf ein "zusätzliches Volumenmodell" im Stammwerk Wolfsburg zu bauen, um die "Kapazitäten für 460.000 Fahrzeuge voll auszulasten", ist ein wichtiges Element der Vereinbarungen, die VW mit der IG Metall getroffen hat. Im Gegenzug gab die IG Metall ihren Widerstand gegen eine Verlängerung der Arbeitszeit von bisher 28,8 Stunden pro Woche auf. Ab 2007 werden Beschäftigte in der VW-Produktion je nach Auftragslage bis zu 33 Stunden ohne Lohnaufschlag arbeiten, alle anderen Mitarbeiter zwischen 26 und 34 Stunden. Diese Arbeitszeitkorridore hält VW-Personalvorstand Horst Neumann für unverzichtbar, um die "Wettbewerbsfähigkeit von VW voranzubringen".
VW-Verhandlungsführer Klaus Dierkes, Leiter Personal Deutschland, beurteilt die neuen Regelungen als guten Kompromiss: "Wir haben Arbeitskosten und Arbeitszeiten auf Branchenniveau erreicht, ohne dass die Mitarbeiter Geld verlieren."
Auch für das VW-Werk im Emden hat VW eine "Stückzahlerhöhung" zugesagt. Neben dem Passat als Limousine und Variant sowie einem auf der gleichen Plattform basierenden "CC-Coupé" ist nach Mitteilung der IG Metall für die Fabrik in Ostfriesland nun "ein weiteres Fahrzeug vorgesehen".
Wie Kenner der VW-Produktplanung der Automobilwoche bestätigten, hat ein Lifestyle-Kombi dabei die größten Realisierungschancen. "Wir prüfen momentan ein innovatives Auto in der Art des Konzepts Shooting Brake von Audi", sagt ein Vertrauter von VW-Markenvorstand Wolfgang Bernhard. Von einem "bezahlbaren VW-Sportkombi mit hoch emotionalem Design" erhoffe sich Bernhard nach der für 2008 vorgesehenen Neuauflage des Scirocco "weitere Wachstumschancen in einem Nischensegment".
IG-Metall-Bezirksleiter Hartmut Meine, der in den "sehr harten Verhandlungen" (Horst Neumann) mit VW die Interessen der Gewerkschaft vertrat, freut sich vor allem über die "konkreten Produktzusagen und die Ausweitung der Beschäftigungssicherung über 2011 hinaus". Bis zu diesem Zeitpunkt läuft der VW-Tarifvertrag, der Kündigungen ausschließt. Von der Tragfähigkeit der nun bei VW ausgehandelten Anpassungen ist Meine so überzeugt, dass er im Gespräch mit dieser Zeitung die flächendeckende Einführung vorschlägt: "Allen Automobil- und Zulieferfirmen in Niedersachsen mache ich das Angebot, auf Basis bestehender Monatsentgelte in der Metallindustrie und einer nachhaltigen Beschäftigungs- und Standortauslastungsgarantie einen Arbeitszeitkorridor von 25 bis 33 Stunden zu vereinbaren."
Obwohl VW die Forderung nach einer Rückkehr zur 35-Stunden-Woche ohne Lohnausgleich nicht durchsetzen konnte, geht das Management nicht als Verlierer aus den Gesprächen. Insbesondere Markenchef Bernhard gilt als unbeschädigt, obwohl er öffentlich eine Verlagerung der Golf-Montage aus Wolfsburg erwogen hatte. "Das war eine leere Drohung", weiß ein Teilnehmer der Top Management Conference, die VW im September in Ehra-Lessien abhielt. Dort sei der Sanierungskurs ein wichtiges Thema gewesen - "ein Abzug des Golf aber nicht mal im Ansatz".