Wolfsburg. Der Volkswagen-Konzern will seine Produktions- und Vertriebsaktivitäten in der Russischen Föderation schnellstmöglich forcieren. Am vergangenen Montag (25.7.) beriet der VW-Markenvorstand um Wolfgang Bernhard über interne Szenarien des so genannten "Top-Projekts Russland", die vor allem auf den Aufbau eines "Niedriglohn-Fertigungsstandorts" zielen.
Dabei präferiert die VW-Führung die Errichtung eines neuen Werks im Grossraum Moskau, das bereits zur Jahresmitte 2007 mit der Montage von SKD-Bausätzen beginnen soll. Nach der späteren Umstellung auf CKD-Montage sollen in der russischen Fabrik jährlich bis zu 200.000 Einheiten zusammengebaut werden.
Die Auslöser der "für VW strategisch eminent wichtigen Russland-Pläne", so ein Insider, sind die bislang schwache Stellung des Automobilproduzenten auf dem wichtigen Wachstumsmarkt sowie die jüngsten Rückschläge in Indien im Zuge der VW-Affäre. So unterhalten asiatische Wettbewerber wie Hyundai und Toyota bereits eigene Fertigungsstätten in Russland oder ziehen mit Hochdruck neue Werke hoch.
Umso alarmierender sind aktuelle Branchenanalysen, wonach die Marktanteile europäischer Anbieter einschliesslich Volkswagen in Russland jüngst dramatisch gesunken sind. Gegensteuern wollen die Wolfsburger künftig mit vor Ort montierten und preisgünstigen Kompaktwagen in der Art des Fox, die umgerechnet für weniger als 10.000 Euro zu haben sein sollen. Daher ist auch die tschechische VW-Marke Skoda fest in das "Top-Projekt Russland" eingebunden, deren Vorstandsvorsitzender Detlef Wittig die VW-Geschäfte auf dem russischen Markt koordiniert.
VW-Konzernchef Bernd Pischetsrieder erhofft sich von dem Engagement in Russland auch einen Ausgleich für Rückschläge in der Boom-Region Indien. Nach der Korruptionsaffäre um den Skoda-Manager Helmuth Schuster droht sich der Anlauf eines VW-Werks auf dem Subkontinent zu verzögern. Die für das Russland-Projekt erforderlichen Investitionsabkommen möchte Volkswagen zügig abschliessen, noch bevor die WTO-Ministerkonferenz Mitte Dezember in Hongkong über den Beitritt Russlands zur Welthandelsorganisation berät.
Der VDA und der Ost-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft planen für den 22. September in Frankfurt eine Fachkonferenz über "Die russische Automobilindustrie".