Wolfsburg. Volkswagen plant zur Internationalen Automobil-Ausstellung (IAA) im September eine Vertriebsoffensive mit Verkaufsprämien in Rekordhöhe. VW-Konzernchef Martin Winterkorn hofft auf starke Impulse aus der Leitmesse der Autobranche, um vor allem das schwache Privatkundengeschäft anzukurbeln. "Diese Chance gilt es jetzt zu nutzen", heißt es in einem internen Schreiben des VW-Vertriebs Deutschland, das Automobilwoche vorliegt.
Um "im Nachgang zur IAA noch Geschäfte abschließen zu können", ließ VW-Vertriebschef Michael Kern die deutschen VW-Händler jüngst wissen, werden die neuen Incentives nicht wie üblich nur bis zum Ende des laufenden Quartals (30.9.) gelten, sondern ausnahmsweise bis Ende Oktober.
Die höchsten Zuschüsse erhält der Handel für den Verkauf von VW-Modellen der Oberklasse. So wird seit Anfang Juli für die frisch überarbeitete Luxuslimousine Phaeton im Rahmen einer Eroberungsaktion "eine Prämie von bis zu 6000 Euro" ausgelobt. Beim Geländewagen Touareg hat VW die Prämie jetzt auf 3000 Euro erhöht. Überdies locken hier weitere "1000 Euro für eine vorzeitige Leasing-Vertragsauflösung" von Bestandskunden, die auf die neue Facelift-Version des SUV umsteigen.
Doch auch für die Absatzförderung von Klein- und Mittelklasseautos greift der Hersteller tiefer denn je in die Schatulle. Die Modelle Jetta und Passat etwa werden mit Händlerprämien von 1250 Euro gestützt, die in Form eines Rabatts an die Käufer weitergegeben werden können, der Golf mit 1000 Euro. Beim ohnehin defizitären Einstiegsmodell Fox aus brasilianischer Produktion winken 600 Euro. In gleicher Höhe wird, trotz starker Nachfrage, der verbrauchsarme Polo BlueMotion bezuschusst, sofern er an Meinungsbildner in Fahrschulen veräußert wird.
"Nehmen Sie den Kunden als besondere Dienstleistung die Vermarktung des Gebrauchtwagens ab", fordert das Kern-Team die Vertriebspartner nachdrücklich auf. "Damit ist eine wesentliche Hürde für eine mögliche Kaufzurückhaltung genommen." Aus ähnlichen Erwägungen bietet VW Leasing seit Juli eine neue "Restwert-Option" an: Gegen eine geringe "Aufwandsentschädigung" können Händler alle kostspieligen Risiken der Gebrauchtwagenvermarktung von Leasing-Rückläufern auf VW abwälzen.
Die neue Vertriebsoffensive ist hierzulande bitter nötig: Weltweit konnte der VW-Konzern im ersten Halbjahr zwar erstmals mehr als drei Millionen Neuwagen ausliefern (plus 7,8 Prozent). Auf dem größten Einzelmarkt Deutschland jedoch gab es, vor allem wegen der Kaufzurückhaltung der privaten Interessenten, ein Minus von 3,7 Prozent.