Hannover. Das Management von Volkswagen Nutzfahrzeuge (VWN) sucht neue Absatzmärkte für die 2005 angelaufene Baureihe Constellation in Europa. Die bis zu 45 Tonnen schweren und 320 PS starken VW-Lkw aus brasilianischer Fertigung waren bisher nur für Schwellenländer vornehmlich auf der Südhalbkugel vorgesehen.
VW drängt mit Lkw nach Europa
Wie Automobilwoche aus dem VW-Konzern erfuhr, hat VWN-Chef Bernd Wiedemann eine jüngst aufgestellte Task-Force um den scheidenden Entwicklungsvorstand Erwin Pape mit streng vertraulichen Sondierungen beauftragt, die zunächst vor allem auf Wachstumsmärkte in Osteuropa zielen. Pape, der Anfang September das VWN-Ressort Produktentstehung an den Bugatti-Ingenieur Wolfgang Schreiber übergibt, wird an seinem künftigen Dienstsitz in einem abgeschiedenen Bürokomplex in Wolfsburg aber auch untersuchen, ob die technisch robusten und betont preiswerten Constellation-Trucks später in Westeuropa und damit auf dem umkämpften deutschen Markt verkauft werden können.
Sollte sich VWN für eine Europa-Offensive mit schweren Lkw entscheiden -- der Vorstandsbeschluss ist, so ein Insider, "bis Ende 2007 zu erwarten" --, würden die Karten im boomenden Brummi-Geschäft neu gemischt. Mit Kampfpreisen von voraussichtlich weniger als 100.000 Euro für einen Basis-Sattelschlepper könnte VWN etablierte Wettbewerbsfahrzeuge wie den deutlich teureren Axor von Mercedes-Benz kräftig unter Druck setzen. Da VW für schwere Lkw in Europa bisher kein Vertriebs- und Servicenetz unterhält, wird das Pape-Team unter anderem Kooperationen mit freien Partnern wie dem Bosch-Dienst ausloten.
Überdies prüft VWN den Aufbau einer Lkw-Fertigung in Russland, Bulgarien oder der Türkei nach dem Muster des bewährten Consorcio Modular (Automobilwoche 21/2005). Die lackierte Constellation-Kabine könnte zunächst aus dem Werk Resende in Brasilien zugeliefert werden.