Schanghai. Der VW-Konzern will die Vertriebs- und Entwicklungsaktivitäten auf dem chinesischen Markt in naher Zukunft forcieren. "Wir werden auch in China in den nächsten Jahren ein Modellfeuerwerk zünden", erklärte Winfried Vahland, Chef der Volkswagen Group China, am Rande der Shanghai Motor Show gegenüber Automobilwoche. Neben der Stammmarke VW seien insbesondere bei Skoda und Audi "wichtige Neuheiten in Vorbereitung", mit denen der Wolfsburger Konzern seine "Marktführerschaft im Reich der Mitte weiter ausbauen" wolle.
Angesichts weltweit steigender Energiepreise und der Klimaproblematik erwartet VW-Entwicklungsvorstand Ulrich Hackenberg auch auf dem chinesischen Markt, nach verkauften Fahrzeugen für den VW-Konzern hinter Deutschland bereits der zweitwichtigste, eine wachsende Nachfrage nach verbrauchsgünstigen Pkw: "An modernen Dieselaggregaten zeigen die Chinesen immer stärkeres Interesse", so Hackenberg im Interview mit dieser Zeitung. Daher hat VW in Schanghai jüngst etwa den Polo BlueMotion präsentiert, dessen 80 PS starker Dreizylinder auf 100 Kilometer lediglich 3,9 Liter Diesel verbraucht und 102 Gramm CO2 pro Kilometer emittiert. Voraussetzung für den Einsatz des turbogeladenen BlueMotion-Fünfsitzers mit Rußpartikelfilter in chinesischen Städten, heißt es bei VW, sei aber eine "deutliche Verbesserung der dort angebotenen Diesel-Qualität". Die Mittelklasselimousine Passat wird VW unter dem Namen Magotan noch in diesem Frühjahr auf dem chinesischen Markt einführen.
Auch für kleinere und damit leichtere Geländewagen sieht Hackenberg in China großes Absatzpotenzial. Das Ende dieses Jahres in Deutschland anlaufende Kompakt-SUV Tiguan will VW daher später auch in China anbieten.
Um landesspezifische Anpassungen der Modellpalette im Fernen Osten künftig noch zügiger vornehmen zu können, plant Hackenberg "zeitnah einen Ausbau der Entwicklungsmannschaften vor Ort in China". Derzeit arbeiten rund 800 Volkswagen-Entwickler am Standort Schanghai, weitere 400 Ingenieure sind in der nordostchinesischen Stadt Changchun für den VW-Konzern tätig.
Die tschechische VW-Tochter Skoda hat bei der Shanghai Motor Show die ersten Modelle des Typs Octavia aus lokaler Fertigung vorgestellt, die vorrangig auf dem
bedeutsamen Wachstumsmarkt China verkauft werden sollen. Zunächst wird der China-Octavia, der wie das in Tschechien hergestellte "Original" auf dem VW Golf basiert, mit einem neuen TSI-Motor (160 PS) aus dem Konzernregal zu haben sein. Weitere Benziner mit 102 sowie 150 PS sollen die Palette demnächst ergänzen.
"China stellt für uns einen der strategischen Märkte für die künftige Entwicklung der Marke Skoda dar", so Fred Kappler, im Skoda-Vorstand zuständig für Vertrieb und Marketing. "Die Präsentation des Modells Octavia ist gemeinsam mit dem Produktionsanlauf der erste Schritt zum Ausbau einer neuen Position der Marke Skoda in China." Insider gehen davon aus, dass Skoda auch den im kommenden Jahr anlaufenden Nachfolger der gehobenen Limousine Superb und das für 2009 zu erwartende Klein-SUV Yeti auf dem chinesischen Markt anbieten wird.