München. Für das Innendesign autonom fahrender Fahrzeuge entstehen neue Möglichkeiten, wenn das Fahren zur Nebensache wird. „Wenn Passagiere in unsere Studie F 015 einsteigen, dann sollen sie sich so wohlfühlen, als seien sie bereits an ihrem Ziel angekommen“, sagt Sinkwitz. Um diese Assoziation herzustellen, haben die Designer Materialien wie Holz und Leder, poliertes Aluminium, hochglänzenden Kunststoff und Glas verwendet. „Wir haben uns an den Trends für moderne Inneneinrichtung von Immobilien orientiert und diese ins Auto übertragen. Darum ist das Interieur reduziert und minimalistisch gehalten“, so der Designer. Den Innenraum des Forschungsfahrzeugs dominieren vier Lounge-Sessel mit weißem Leder, die über dem Holzfußboden zu schweben scheinen. „Diese Irritation erzeugen wir, indem wir glänzend poliertes Aluminium für die Sesselschalen verwenden. Darin spiegelt sich der Fußboden wider, was den Eindruck des Schwebens verstärkt.“ Das Holz des Fußbodens geht nahtlos in die weißen, hochglänzenden Seitenwände über. In alle vier Türen sind Bildschirme eingelassen, die auf Annäherung und leichte Berührung reagieren. „Durch die hochauflösenden Displays entsteht der Eindruck einer virtuellen Realität, die uns bei dem Umgang mit verschiedenen Materialien inspiriert hat. Durch fließend gestaltete Übergänge erkennt man nicht mehr, wo das eine Material aufhört und das andere beginnt“, erläutert Sinkwitz.
Das Auto als Rückzugsort
Die Helligkeit im Innenraum kommt von intelligenten Lichtquellen, die nicht blenden, sondern sich ihrer Umgebung anpassen. Zudem hat der F 015 ein durchgehendes Glasdach. „Kein Licht ist besser als natürliches Tageslicht“, so Sinkwitz. Daimlers Vision vom Luxusauto der Zukunft soll vor allem dem Fahrer Zeit schenken. Da die Straßen voller werden und die Zeit, die Menschen im Auto verbringen, zunimmt, soll sie sinnvoller als nur hinter dem Lenkrad genutzt werden. „Das Auto wird zum Rückzugsort, in dem man sich entspannt, einen Film anschaut oder in die digitale Welt eintaucht. Oder aber es wird ein Ort der Begegnung, in dem man sich mit Freunden oder Kollegen trifft“, sagt Sinkwitz. Ob einer der Insassen das Steuer übernimmt, das es noch immer gibt, oder lediglich das Auto dirigiert, ist ihm selbst überlassen. „Wir haben das Auto so konzipiert, dass jeder Passagier auch Dirigent sein kann. ‚Conducted Driving‘ nennen wir diese Form des Fahrens. Nähert sich die Hand eines Mitfahrers einem Bildschirm, öffnet sich ein Menü, über das er zum Beispiel die Geschwindigkeit regeln kann“, so der Designer.