München. Die jüngste Konjunkturumfrage des Instituts für Wirtschaftsforschung (Ifo) spricht eine deutliche Sprache: Die Stimmung im Autohandel ist auf dem Tiefpunkt. 50 Prozent der Befragten Neuwagenhändler bezeichneten die Geschäftslage im Mai als "schlecht". 20 Prozent glauben sogar, dass es noch schlechter wird. 56 Prozent rechnen zumindest mit keiner Besserung. Während alle anderen Konjunkturdaten derzeit nur eine Richtung kennen, nach oben, läuft der Autoabsatz auf Sparflamme - vor allem bei Privatkunden: Seit Anfang des Jahres sank der Verkauf an diese Gruppe um 27 Prozent. "Was wir im Moment sehen, ist ein regelrechter Käuferstreik", sagt ZDK-Präsident Robert Rademacher. Für ihn wie für fast alle Insider der Branche ist der Grund klar: die CO2-Debatte.
Die Mehrwertsteuererhöhung taugte noch als Erklärung für die stark rückläufigen Verkaufszahlen im Januar (minus 10,5 Prozent) und Februar (minus 15,1 Prozent). Doch auch, März, April und Mai blieben schwach.
Ford-Vertriebsdirektor Jürgen Stackmann hoffte, dass "ein positiver Tarifabschluss der IG Metall zu einem Anstieg der Privatverkäufe führen kann". Der gute Tarifabschluss kam - 4,1 Prozent mehr Lohn und Gehalt --, doch die Lust am Autokauf wurde dadurch offenbar nicht stimuliert. Nun wartet Stackmann "stündlich darauf, dass der Knoten platzt". Doch Karl-Heinz Engels, Geschäftsführer von Hyundai Motor Deutschland, ist nur wenig optimistisch: "Der Mai sieht auch nicht besser aus." Der ZDK sieht das ähnlich, wenngleich "der Rückgang im Mai nicht mehr so stark ausfallen wird", so ein Sprecher. Dabei stieg der von der Gesellschaft für Konsumforschung ermittelte Konsumklima-Index von 4,3 Punkten im April auf 5,7 im Mai.
Als Schuldigen für den lauen Pkw-Absatz hat die Industrie die Politik ausgemacht: Täglich wechselnde Pläne einer neuen, CO2-abhängigen Kfz-Steuer und drohende Fahrverbote in Innenstädten verunsichern die Kunden.
Für den Audi-Vertriebsvorstand Ralph Weyler sind die Gründe für die Kaufzurückhaltung "ein Mix aus Mehrwertsteuereffekt und Verunsicherung durch die CO2-Debatte". Nur gut, dass sich in allen anderen Absatzmärkten die Verkaufskurven nach oben entwickeln. "Wenn Audi international nicht so gut aufgestellt wäre, sähe es für uns nicht so gut aus", sagt Weyler. Der weltweite Audi-Absatz stieg im ersten Quartal um 9,4 Prozent, während hierzulande die Verkäufe um 15,7 Prozent zurückgingen - ein Trend, der für alle Hersteller gilt. Denn in Auslandsmärkten wie Großbritannien und Italien, wo der deutsche CO2-Alarmismus kaum ein Echo findet, brummt das Geschäft.
Auch Clemens Klinke, Chef von Dekra Automotive, sieht in erster Linie "die Verunsicherung der Kunden durch die CO2-Diskussion als ausschlaggebend". Betroffen sind vor allem die Importeure (Engels: "Wir sind zu 80 Prozent von Privatkunden abhängig"), aber auch Hersteller wie Ford, deren Geschäftskundenanteil bei nur rund 40 Prozent liegt. Bei BMW und Mercedes beispielsweise ist dieser Anteil rund doppelt so hoch.
Da das erste Quartal eigentlich das verkaufsstärkste ist, erwartet die Branche nun auch für 2007 nichts Gutes mehr: "Wir müssen nun wenigstens das Vorjahresergebnis erreichen", sagt Engels.