Scania und MAN sollen enger zusammenarbeiten, Synergien schaffen und zu Daimler und Volvo aufschließen. VW-Finanzchef Hans Dieter Pötsch hält allein beim Einkauf Einsparungen von 200 Millionen Euro pro Jahr für möglich. Zuletzt scheiterte eine engere Verzahnung der beiden Lkw-Hersteller – nach der missglückten Scania- Übernahme durch die Münchner vor fünf Jahren – auch an deren jeweiliger Skepsis und an Animositäten. Seit rund einem Jahr sprechen die Unternehmen wieder ernsthaft miteinander, die Kooperation kam seitdem aber kaum voran. Volkswagen verwies nun zur Begründung seines Schritts auf „kartellrechtliche Beschränkungen“, die „hohe Hürden“ für eine fruchtbare Zusammenarbeit darstellten.
Konkret heißt das, die Wettbewerbshüter sehen Scania und MAN als Konkurrenten – und nicht als zwei von VW bestimmte Unternehmen, die gemeinsame Sache machen wollen. Diese Hürden hofft VW durch das Übernahmeangebot auszuräumen. Auf der MAN-Hauptversammlung am 27. Juni will der größte Anteilseigner Volkswagen dann das durchsetzen, was die beiden Lkw-Bauer selbst nicht geschafft haben: die Weichen für eine gemeinsame Zukunft von MAN und Scania stellen. Die Zeichen für ein Gelingen stehen nicht schlecht. Bei Scania, wo der Vertrag von Vorstandschef Leif Östling vor wenigen Tagen bis Ende 2015 verlängert wurde, hieß es, man habe „schon lange Interesse an einer Zusammenarbeit mit MAN in gewissen Bereichen“. MAN ließ wissen, man teile „die Ansicht über die industrielle Logik einer intensiveren Zusammenarbeit“.
Die Betriebsräte von VW und MAN, Bernd Osterloh und Jürgen Dorn, stehen hinter der Aktion. VW hatte betont, „die markenspezifischen Eigenschaften und alle Geschäftsfelder von MAN und Scania unangetastet“ lassen zu wollen. An der Börse legte die MAN-Aktie nach Bekanntwerden der Aufstockung deutlich zu. Analysten bewerten die Kosten für VW als überschaubar. Selbst eine Komplettübernahme, die rund zehn Milliarden Euro kosten dürfte, könnte VW mit einer Nettoliquidität von rund 20 Milliarden Euro stemmen. Der Zeitpunkt des Schritts wird von Analysten als gut bewertet. Der derzeitige Boom am Lkw-Markt würde MAN nur teurer werden lassen. Was den Absatz anbelangt, könnten MAN und Scania gemeinsam an Volvo vorbeiziehen. Daimler Trucks bliebe jedoch zunächst außer Reichweite. Der Weltmarktführer setzt fast doppelt so viele Lkw ab.