München. Mercedes-Benz ließ erstmals 1998 ein Fahrzeug mit Stern im Spiel „Need for Speed“ fahren und intensiviert seine Aktivitäten in diesem Bereich kontinuierlich. Opel dagegen spart die Video- und Online-Spiele in seiner Vermarktungsstrategie aus. Volkswagen ist in allen großen Automobilrennspielen vertreten, wie ein Unternehmenssprecher erklärt. In „Gran Turismo 5“ von Sony sind vom Samba-Bulli über Golf GTI bis zum Showcar Nardo die unterschiedlichsten Fahrzeuge von VW unterwegs. Die BMW-Gruppe hat ebenfalls Modelle von BMW und Mini in Spiele integriert und will dieses Engagement weiter ausbauen, erläutert Claudia Müller aus dem internationalen Product-Placement des Konzerns. „Seit 1998 sind unsere Fahrzeuge Bestandteil in allen namhaften Rennspielen“, erläutert Lüder Fromm, Leiter Globale Marketing Kommunikation Mercedes-Benz Pkw. 2011 etwa war der Mercedes SLS AMG im Spieleklassiker „Gran Turismo 5“ Covermotiv. Sportwagen, besonders AMG-Modelle, platziert Mercedes-Benz kontinuierlich in Spielen. Aktiv sind auf diesem Feld auch die Wettbewerber aus Japan. So lässt sich unter anderem das Modell Nissan GTR via Spielekonsole lenken, Toyota schickt den Supersportwagen Lexus LFA im Videospiel über den Stadtkurs von Monaco, und der 86 AR findet sich in einer App für Mobilgeräte. Die Hersteller schätzen vor allem zwei Aspekte: Sie sprechen mit den „Gamern“ junge Menschen an, die oftmals schon als verlorene Generation von Autokäufern gelten, weil sie möglicherweise weniger am Besitz von Autos interessiert sind. Zudem gehen die Marketingstrategen davon aus, dass die emotionale Bindung zu einem Fahrzeug durch ein Videospiel viel größer wird als durch Filme, weil der Spieler das Geschehen selbst steuern kann. BMW befriedigt mit den Spielen zudem die Neugier der eigenen Fans: Der Kunde habe „die Gelegenheit, ein Fahrzeug interaktiv in hochauflösender Grafik zu erleben, bevor das Produkt auf den Markt kommt“, betont Müller.
Virtuelle Autos sollen Kunden begeistern
Allerdings springen Hersteller nicht bedingungslos auf den Zug auf: Die Spiele müssen höchste Ansprüche in ihrer grafischen Darstellung erfüllen und sollen die Spieler mit Innovationen locken. Die Fahrphysik muss sehr realitätsnah sein. Schwere Crashs wird man in derartigen Spielen vergeblich suchen. VW hat dafür klare Vorgaben: „Totalschäden und Beschädigungen der Fahrgastzelle sind nicht erlaubt.“ Die Automobilhersteller sind mittlerweile vom Product-Placement in Videospielen überzeugt und bauen ihre Aktivitäten aus. Für BMW etwa ist „eine regelmäßige Integration unserer aktuellen Fahrzeuge in sämtlichen relevanten Racing-Titeln selbstverständlich“, betont Müller. Zum Wert des Product-Placements gibt es bei VW keine eindeutigen Zahlen. „Die Media-Gegenwerte können wir nur schätzen, aber sie liegen deutlich über klassischer Online-Werbung“, betont ein Sprecher. Dabei kreiert Volkswagen auch eigene Videospiele wie „Touareg Challenge“, „Volkswagen – Das Auto“ oder „GTI Edition 35“. Im App-Store seien die VW-Spiele bereits mehr als 20 Millionen Mal heruntergeladen worden.