München. Bei den Übernahmen sind in der Regel Unternehmen aus der Branche am Werk. Axel Gollnick erläutert: „Das Transaktionsgeschehen wird auch 2013 klar von strategischen Investoren dominiert.“ Der geschäftsführende Gesellschafter von M & A International nennt einen Grund dafür: „Bei Private- Equity-Investoren steht der Automotive- Sektor nach den Erfahrungen der letzten Jahre unverändert am unteren Ende der Beliebtheitsskala.“ Für den Zeitraum von Mitte 2012 bis Mitte 2013 ermittelten die Experten eine Stagnation: Sie registrierten 359 Transaktionen nach 353 in den vorangegangenen zwölf Monaten. Wachsende Vorsicht macht auch Oliver Köster als Ursache für den stagnierenden, nach manchen Statistiken gar deutlich schrumpfenden M & A-Markt aus. Der Rechtsanwalt, der bei der Kanzlei Bird & Bird vorwiegend Mandanten aus der Automobilindustrie in M & A- sowie Restrukturierungsfragen berät, sagt, Geld sei zwar vorhanden. Aber die Befürchtung, dass eine neue Krise komme und ein gekauftes, aber noch zu restrukturierendes Unternehmen dann zum Klotz am Bein werden könne, sorge für Zurückhaltung. Auch sei die Finanzierung aufwendiger geworden: „Wir erleben es, dass in einem Konsortium oft sieben statt wie früher nur drei Banken beteiligt sind.“
Unsicherheit bremst Übernahmen
Zurückhaltung herrscht weiterhin bei Finanzinvestoren, die vor der Krise Zulieferer gekauft haben und den Ausstieg erst wegen der Krise und dann wegen unsicherer Perspektiven verschoben haben. „Finanzinvestoren haben vereinzelt attraktive Chancen für einen Exit genutzt. Die große Exit-Welle ist bis dato jedoch ausgeblieben“, sagt Gollnick. Ganz oder teilweise verkauft wurden etwa SMP Deutschland – ehemals Peguform – 2011 an die indische Samvardhana Motherson-Gruppe oder Ixetic an Magna. Möglicherweise baut sich ein M & A-Stau auf. Martin Kanjuh, Direktor bei M & A International, sagt: „Die erwartete Konsolidierung in der Zulieferindustrie spiegelt sich in der Anzahl aktueller Transaktionen noch nicht wider.“ In Deutschland dürften weiterhin rein nationale Übernahmen dominieren. Aber: „Wir beobachten zunehmendes Interesse von asiatischen, insbesondere chinesischen Mischkonzernen an gut positionierten und ertragsstarken Automobilzulieferern“, so Kanjuh. Motive seien die Erweiterung der Wertschöpfungskette, Zugang zu neuen Technologien, Kundenstrukturen und Märkten. Unter strategischen Aspekten sehen sich auch chinesische Automobilhersteller wie Geely oder Great Wall auf dem Zulieferermarkt um, erläutert Rechtsanwalt Köster. Sie seien bestrebt, sich ein Zulieferumfeld oder zumindest bestimmte Technologien hinzuzukaufen.