Stuttgart. Im Hörsaal 9.01 der Universität Stuttgart ist es mucksmäuschenstill, als es darum geht, das Bild des idealen Ingenieurs von morgen zu zeichnen. Die rund 250 Maschinenbaustudenten, die der Einladung von Bosch zur Diskussion „Zukunft Green- Tech – Auswirkungen nachhaltiger Technologien auf Studium und Karriere“ gefolgt sind, warten gespannt auf die Antworten der Experten. Einer, der es wissen müsste, ist Zukunftsforscher Eckard Minx. Doch der langjährige Daimler-Forschungschef gesteht: „Ich weiß es nicht.“ Wolfgang Malchow, Geschäftsführer der Bosch-Gruppe, geht noch weiter: „Es ist ja noch nicht einmal klar, wie morgen die Unternehmen strukturiert sind, in denen die zukünftigen Ingenieure tätig sein werden.“
Ungewisses "grünes“ Studium
Für die jungen Zuhörer im Saal ist eines klar: Ein Patentrezept für die neuen Anforderungen an Ingenieure in der Autoindustrie wird hier und heute nicht geliefert. Doch wer bei der zweistündigen Diskussion genau hingehört hat, kann wichtige Hinweise mit nach Hause nehmen. Ob Minx, Malchow oder Hans-Christian Reuss vom gastgebenden Institut für Verbrennungsmotoren und Kraftfahrwesen an der Uni Stuttgart, alle sprechen eindringlich davon, dass sich mit dem Paradigmenwechsel in der Autoindustrie in Richtung „GreenTech“ die ganze Branche ändern werde – und zwar revolutionär. Reuss bringt es auf den Punkt: „Die Zeit, als Ingenieure vom Kleinen ins Große dachten, ist vorbei. Heute ist das Allgemeingültige die Basis, von der aus man sich ins Detail vorarbeitet.“
Auch die Unternehmen müssen sich ändern. Malchow beschreibt, dass der Wandel beim weltweit größten Autozulieferer bereits begonnen habe. „Vor zehn Jahren lag der Anteil der Akademiker bei unseren Mitarbeitern bei 20 Prozent. Heute sind es bereits 30 Prozent, Tendenz steigend.“ Bosch setze also vermehrt auf Wissen und biete dafür Strukturen, die den Austausch von Experten untereinander fördern. „Wir geben neue Freiräume und bauen auf die Fähigkeit unserer Abteilungen zur Selbstorganisation – mit dem Ziel, möglichst oft verschiedene Sichtweisen zusammenkommen zu lassen“, so Malchow.
Nur so könne Bosch seinem Ruf als „Innovationsmaschine“ mit derzeit 15 Patentanmeldungen pro Tag gerecht werden und gleichzeitig „die Dinge entwickeln, die in der Zukunft auch wirklich gebraucht werden.“ Damit ein Unternehmen wie Bosch diese Ziele erreicht, benötigt es exzellentes Personal, wobei der Mangel an topqualifizierten Ingenieuren den erhofften Wandel in Richtung GreenTech gefährlich abbremsen könnte. Hier sind die Unis gefragt, wobei Institutsleiter Hans-Christian Reuss auch in der Lehre einen Paradigmenwechsel feststellt: „Wir Professoren vermitteln weniger das Wissen als die Methoden, wie man es anwenden kann.“
Für einige Studenten liegt genau hier ein Knackpunkt: Sie fühlen sich nicht immer optimal auf das vorbereitet, was in der Arbeitswelt auf sie zukommen mag. Vor allem im IT-Bereich hinke man der internationalen Konkurrenz hinterher. Aber auch die Ausrüstung mit den notwendigen Soft-Skills, die man benötigt, um in den offenen und kommunikationsfreudigen Strukturen erfolgreich sein zu können, funktioniere nicht immer ideal. Reuss spricht sich jedoch dagegen aus, Angebote zu Leadershipoder Rhetorik-Qualitäten in den Ingenieur-Studienplan zu integrieren.
Er setzt stattdessen auf die Eigenmotivation seiner Studenten. „Wer es wirklich will, der verlässt die Uni topfit für den Arbeitsmarkt.“ Für Wolfgang Malchow ist klar, dass nur solche Leute das Unternehmen weiterbringen werden. Am Schluss der Veranstaltung lässt sich der Bosch-Manager doch noch dazu bringen, das Bild des idealen Ingenieurs von morgen zu zeichnen: „Wir müssen die besten Leute gewinnen, die gut ausgebildet sind, Spaß an der gemeinsamen Lösung von Problemen haben und die Sensibilität mitbringen, andere Kulturen und Märkte zu verstehen und dort zu agieren.“