München. Neben dem möglichen Verkauf durch den Mutterkonzern Ford steht der englische Premiumhersteller Jaguar auch bei der Ausrichtung seiner Modellpalette vor einschneidenden Änderungen. Wie Automobilwoche von Insidern des mit rückläufigen Verkaufszahlen konfrontierten Unternehmens erfuhr, stehen die große Baureihe XJ sowie das Einstiegsmodell X-Type im Mittelpunkt der Planungen.
So berichten Kenner der Jaguar-Vorentwicklung, dass der Nachfolger der 2003 eingeführten und jüngst aufgefrischten Limousine XJ eine völlig neue Designlinie erhalten wird. Im Rahmen sogenannter Produktkliniken hatten potenzielle XJ-Käufer zuletzt immer häufiger moniert, dass sich der Fünfsitzer äußerlich kaum vom Vorgänger unterscheidet. Zudem wirkt das seit Jahren gepflegte Retro-Design des mehr als fünf Meter langen Viertürers auf etliche Betrachter inzwischen langweilig.
Das Management der Premier Automotive Group (PAG) von Ford, zu der Jaguar seit 1998 gehört, hat daher entschieden, dass der nächste XJ optisch wie der "große Bruder" des für die IAA im September dieses Jahres angekündigten Jaguar XF anmuten soll. Die mittlere Baureihe XF löst den rundlichen, 4,90 Meter langen S-Type ab und gilt mit markanten Sicken, pfeilförmigen Stilelementen sowie einer betont "muskulösen" Frontpartie als der am dynamischsten wirkende Jaguar seit Langem.
Aufgrund der enttäuschenden Absatzzahlen des aktuellen XJ will Jaguar nach Angaben aus Zuliefererkreisen die ursprünglich für 2010 geplante Markteinführung des Nachfolgers um ein Jahr auf 2009 vorziehen. Mit dann nur sechs Jahren wäre dem heutigen XJ im Hinblick auf die üblichen Gepflogenheiten in der automobilen Oberklasse eine vergleichsweise kurze Laufzeit beschieden.
Überdies hat die PAG-Führung festgelegt, dass der auf dem "alten" Ford Mondeo basierende Jaguar X-Type keinen direkten Nachfolger bekommt. Hintergrund ist die zuletzt dramatisch zurückgegangene Nachfrage, die der Handel auch mit großzügigen Rabatten kaum noch zu stimulieren vermochte.
Nach Angaben eines Lieferanten "sieht Jaguar dem Ende des X-Type aber nicht sonderlich verzagt entgegen". Zum einen wird die frei werdende Kapazität der X-Type-Fabrik im englischen Halewood dringend für den neuen Land Rover Freelander benötigt, der auf derselben Fertigungslinie produziert wird und insbesondere in den USA reißenden Absatz findet. Zum anderen soll sich Jaguar bereits mit einem neuen Einstiegsmodell beschäftigen, das 2012 nicht in Form einer klassischen Limousine, sondern als Crossover auf den Markt kommen könnte.
"Wir geben über zukünftige Modelle keine Auskunft", erklärte Jaguar Deutschland auf Anfrage.