München. Dieses Buch ist wie der Hybrid-Antrieb: total überflüssig (weil er der Umwelt kaum nutzt), trotzdem spricht jeder darüber. Überflüssig ist das Buch, weil es wenig Neues enthält. Aber es wird viel darüber geredet, weil die Thesen des Helmut Becker zum Zeitgeist passen.
Und der Zeitgeist meint es nicht gut mit der deutschen Autoindustrie: Angeblich gibt sie auf den Klimawandel und den Wunsch nach sparsamen Fahrzeugen keine oder die falschen Antworten. Hinzu kommen bei Becker die Anwürfe auf die üblichen Verdächtigen: Der Egomane Jürgen Schrempp darf dort ebenso wenig fehlen wie der Exzentriker Ferdinand Piëch. Wer die deutsche Autoindustrie nur aus diesem Buch kennt, könnte meinen, sie sei durchsetzt mit Kriminellen, Psychopathen und Versagern.
Doch Beckers Kernthese richtet sich selbst. Sie ist so absurd, dass es kaum verwundert, dass er sie nicht durchhält: Die deutsche Autoindustrie sei dabei, das ganze Land in die Krise zu stürzen. Schließlich hängt jeder siebte Arbeitsplatz und jeder fünfte verdiente Euro vom Auto ab. Und viele dieser Arbeitsplätze sind nach Beckers Meinung wegen des Versagens der Manager bedroht.
Hallo? Die Autoindustrie stürzt das Land in die Krise? Das Gegenteil ist richtig: Aus Profilierungssucht hat sich ein Teil der politischen Klasse und der Medien vorgenommen, die deutsche Autoindustrie in die Krise zu stürzen. Sie wird zum Hauptschuldigen für den Klimawandel hochstilisiert und an den Pranger gestellt. Ein Urteil, das keiner wissenschaftlichen Betrachtung standhält.
Nach Beckers Meinung haben VW, BMW, Mercedes und Porsche viel zu lange auf spritschluckende, schwere, teure Luxusautos und Geländewagen gesetzt und den Japanern das Feld der umweltfreundlichen Hybrid-Autos überlassen. Die These ist bekannt, wird dadurch aber nicht richtiger. Der Hybrid-Produzent Toyota, zweifelsohne der erfolgreichste Autobauer und ein Unternehmen, dem man mit größtem Respekt begegnen sollte, baut mehr spritschluckende Geländewagen als alle deutschen Hersteller zusammen und verursacht weltweit mehr CO2 pro Auto als VW.
Und die von Becker immer wieder kritisierte Premium-Ausrichtung von VW, Daimler und BMW wird von Toyota doch geradezu kopiert: Die Toyota-Tochter Lexus versucht seit Jahren, in die deutsche Premium-Phalanx einzubrechen - außerhalb den USA mit mäßigem Erfolg. Selbst in Japan ist BMW vorn. Acht von zehn Premiumfahrzeugen weltweit kommen von deutschen Marken. Zudem: Nicht die Deutschen haben den Hybrid verschlafen, sondern die Japaner den Diesel, der sich weltweit 20-mal besser verkauft.
Doch die hymnische Toyota-Verehrung, die Becker schon seit Jahren bis zum Exzess treibt, lässt solche Einsichten offenbar nicht zu. Becker rät der deutschen Autoindustrie, sich künftig auf Hybrid-Autos und billige Kleinwagen zu konzentrieren. Das wäre dann tatsächlich ihr Ende - das der Autor dieses überflüssigen Buches offenbar herbeisehnt.