Berlin. Die Zeit, in der allein das eigene Auto für die individuelle Flexibilität stand, scheint also vorbei. Vielmehr definiert sich Mobilität für junge Menschen heute auch durch die Mobilität des Internets. „Das Smartphone und die entsprechenden Apps ermöglichen es dem Nutzer, jederzeit drei entscheidende Fragen zu beantworten: Wo bin ich, was kann ich hier machen und wie komme ich hier wieder weg?“, sagt Schönduwe. Dieses Wissen macht unabhängig – und ersetzt damit für viele die Vorzüge eines eigenen Pkw. Die prominente These, das Smartphone löse das Auto als Statussymbol ab, sei jedoch zu oberflächlich, sagt der Wissenschaftler. Das Smartphone sei kein direktes Konkurrenzobjekt zum Auto. Es mache nur die Umsetzung eines neuen Verständnisses von Mobilität möglich: „Mit dem Smartphone können unterschiedliche Verkehrsmittel miteinander vernetzt werden.“ Die Jugend denkt heute pragmatisch – doch eine Entemotionalisierung in der Beziehung zum Auto lässt sich nicht nachweisen. In einer Umfrage des VDA gaben mehr als 80 Prozent der 18- bis 34-Jährigen an, sie würden, sobald es finanziell möglich sei, ein eigenes Auto besitzen wollen. Was das für die Autohersteller bedeutet? Schönduwe ist der Ansicht, dass sich die Pkw-Hersteller über Carsharing oder nützliche Apps als Mobilitätsdienstleiter positionieren sollten. Wenn dies funktioniere, könne auch eine Bindung der jungen Kunden an eine Automarke gelingen.
Über die App zum eigenen Auto
„Junge Leute – Abwendung vom Auto?“ fragt der Titel einer Veranstaltung auf der IAA. Auf dem Symposium (20.9., Raum Fantasie II) diskutieren Vertreter aus Politik, Wissenschaft und Presse die Frage nach dem möglichen Bedeutungsverlust des Autos. Einer der Redner ist Robert Schönduwe vom Innovationszentrum für Mobilität und gesellschaftlichen Wandel (InnoZ) in Berlin. Schönduwe ist Geograf und forscht am InnoZ unter anderem zur Mobilität Heranwachsender. Seine Beobachtung: Anders als noch vor einigen Jahren sind Jugendliche heute nicht mehr auf ein Verkehrsmittel fixiert, sondern kombinieren mehrere. Wobei das vor allem für junge Menschen in Städten gelte, wo es solche Mobilitätsangebote gibt.