Er ist für die Autoindustrie so etwas wie der Treiber in einem Computer. Denn so wie Rechner diese kleinen Dienstprogramme zum Drucken oder Scannen brauchen, so brauchen die Entwicklungsabteilungen Männer wie Johann Jungwirth, damit sie den Anschluss an die digitale Revolution nicht verlieren. Der 42-Jährige ist ein Nerd im positiven Sinne, der in nichts anderem denkt als in Bits und Bytes und genau deshalb das Zeug zum Katalysator und Transformator hat. Das hat jetzt offenbar auch der VW-Konzern erkannt und den vor zwei Jahren von Daimler zu Apple gewechselten Elektrotechniker als Leiter der Digitalisierungsstrategie zurück in die PS-Branche gebracht.
Damit holen sich die Niedersachsen einen neuen Mann ins Boot, der tatsächlich jenen digitalen Lifestyle lebt, den die Zielgruppenforscher immer vorbeten. "Always on" und voll vernetzt, zaubert Jungwirth mit kindlicher Freude immer die neuesten Gadgets aus der Tasche und erzählt glaubhaft von den fast körperlichen Schmerzen, wenn er seine Apple Watch auszieht. Und wenn er mal irgendwo offline ist, wird er richtig unleidig. "Nur wenn ich online bin, dann bin ich entspannt."
Egal ob er jetzt am ominösen Apple-Auto gearbeitet hat oder nicht: Als den Apple-Anhänger der Ruf aus Cupertino ereilte, musste er nicht lange überlegen. Zumal er dort tatsächlich das Gefühl hatte, man könne in ein paar Minuten die Welt verändern.
Gleichwohl wollte er langfristig zurück in die Autoindustrie und nach Deutschland: "Irgendjemand muss schließlich die verkrusteten Strukturen aufbrechen, wenn die alten Riesen überleben sollen." Dass es allerdings so schnell gehen würde, hätte er wohl selbst nicht gedacht.
Natürlich gibt es bessere Zeiten, um bei VW anzuheuern. Aber vielleicht kommt Jungwirth inmitten des Abgasskandals auch gerade recht. Nicht nur, weil er dort eine "Aufbruchstimmung" und den "großen Willen zu innovativer und nachhaltiger Neuausrichtung" erlebt. Sondern auch, weil ihm Vorstandschef Matthias Müller trotz Sparkurs explizit den Rücken stärkt: "Wir werden nicht den Fehler machen und uns um unsere Zukunft sparen. Deswegen planen wir, die Ausgaben zur Entwicklung der Digitalisierung weiter zu steigern."