München. Zunächst liest es sich wie eine unspektakuläre Personalie: Tadashi Arashima löst Shinichi Sasaki als Präsident und CEO von Toyota Motors Europe (TME) ab. Sasaki kehrt nach Japan zurück und verantwortet dort künftig als Mitglied des Vorstands den Bereich Qualität. Doch es steckt mehr dahinter: Die oft gerühmte Toyota-Produktqualität hat in jüngster Zeit schwer gelitten. Allein in diesem Jahr gab es bereits sechs Rückrufaktionen in Deutschland, die Volumenmodelle wie Corolla, RAV4 und Avensis, aber auch den Hybrid-Vorreiter Prius betrafen -- weltweit mussten rund 1,21 Millionen Autos zurück in die Werkstätten. Zwei Jahre zuvor hatte es den Kleinwagen Yaris und das Sportcoupé Celica getroffen, die mit fehlerhaften Hauptbremszylindern ausgeliefert wurden.
Toyota und der Fluch des eigenen Erfolgs
Trauriger Höhepunkt war Ende 2005 die grösste Rückrufaktion der Japaner, bei der weltweit 1,27 Millionen Autos aus 16 Baureihen in die Werkstätten zitiert wurden. Im wichtigsten Markt USA liegt die Rückrufquote zwar im unteren Bereich, Nissan und Subaru hatten jedoch noch weniger -- und vor allem BMW scheint uneinholbar.
Die Fachhochschule der Wirtschaft, Bergisch Gladbach, hat festgestellt, dass "der Trend bei der Qualität für Toyota in diesem Jahr deutlich nach unten zeigt". Sasaki soll nun diesen Trend umkehren. "Er hat mit Europäern Qualität produziert und die Toyota-Philosophie in der Fremde durchgesetzt", sagt Christoph Stürmer, Marktanalyst beim Prognose-Institut Global Insight.
"Man muss Kaizen nicht nur anwenden, sondern auch vermitteln können", weiss Stürmer -- das ist nun Sasakis Aufgabe. Kaizen, die Philosophie der kontinuierlichen Qualitätsverbesserung von Produkten und Prozessen, ist offenbar bei steigendem Produktionsvolumen immer schwieriger durchzusetzen. Toyota steigerte die weltweiten Verkäufe von knapp über sechs Millionen Fahrzeugen im Jahr 2003 auf erwartete 7,85 Millionen in diesem Jahr. Für 2010 haben die Japaner zehn Millionen Verkäufe anvisiert. Damit wäre Toyota der grösste Automobilproduzent weltweit.
Doch das ungehemmte Wachstum birgt Gefahren: Analyst Stürmer nennt das "Überstreckung der Unternehmenskultur", deren erste Auswirkungen sich bereits in der gestiegenen Anzahl an Rückrufen widerspiegelt. Durch die Vielzahl an Standorten "wissen viele Mitarbeiter gar nicht mehr, wie Toyota als Unternehmen funktioniert", hat Stürmer festgestellt. Können sie auch gar nicht, denn bis zu 60 Prozent der Toyota-Arbeiter und -Angestellten in Japan sind so genannte "Temps" -- Zeitarbeiter.
Eine weitere Fehlerquelle liegt bei den Zulieferern. Bei einigen japanischen Lieferanten sitzen Manager in Führungspositionen, die von Toyota kommen und auch dorthin zurückkehren, obwohl der Zulieferer nicht zum Konzern gehört. Dadurch ist gewährleistet, dass Toyota bekommt, was gefordert wird. Eine solche Form der Kontrolle ist beispielsweise bei europäischen Zulieferern undenkbar. Doch deren Mentalität hat Sasaki ja ebenfalls kennen gelernt.