Frankfurt/Main. Selbst hartgesottene Börsianer rieben sich fassungslos die Augen, und altgediente Analysten raunten von einem Kurssprung historischen Ausmaßes. Als der schwäbische VW-Großaktionär Porsche Ende Oktober bekannt gegeben hatte, bereits 42,6 Prozent der Stammaktien des Wolfsburger Konzerns zu halten und weitere 31,5 Prozent in Form „Cash-gesettelter Optionen“, schoss der Kurs des VW-Papiers kurzzeitig auf 1005 Euro hoch. Nach der Offenlegung der Aktien- und Kurssicherungspositionen durch Porsche nämlich sahen sich sogenannte Shortseller, die auf einen fallenden Kurs spekuliert hatten, gezwungen, ihre Leerverkäufe über einen fast panikartigen Erwerb von VW-Aktien zu decken. Doch schon zuvor hatte sich der VW-Kurs höchst erstaunlich entwickelt.
Umso lauter ist der Nachhall seiner Kapriolen. Zeitweilig war VW das kostspieligste Unternehmen der Welt. Und obwohl andere Indexwerte im Zuge der Finanzmarktkrise tief ins Minus fielen, zog das nun teuer gehandelte Schwergewicht VW den DAX ins Plus. So stark waren die Turbulenzen durch den VW-Höhenflug, dass die Deutsche Börse eine Reihe neuer Regeln erließ, etwa zur Mindesthöhe des Streubesitzes. Zu den Profiteuren des Geschehens gehört – neben Porsche – der VW-Vorstand. Die Wandlung von Aktienoptionen bescherte den Managern einen vorweihnachtlichen Geldsegen von 25 Millionen Euro. Ein Zehntel spenden die Herren für bedürftige Kinder.