München. Um den Innenraum attraktiver zu gestalten oder neue Bedien- und Anzeigefunktionen zu realisieren, verfolgen Entwickler des Textilforschungsinstituts Thüringen-Vogtland (TITV) in Greiz sowie des Instituts für Textil- und Verfahrenstechnik (ITV) in Denkendorf verschiedene Ansätze, von denen einige bereits nah an der Serienreife sind. So können etwa hinterleuchtete Spezialtextilien für ein ganz neues Raumgefühl sorgen, wie Christoph Riethmüller vom ITV erläutert. Selbst wenn die Lichtquelle sich sehr nah hinter dem Textil am Dachhimmel befindet, lasse sich so der Eindruck „dreidimensionaler Lichtwelten“ erwecken. Zudem haben Forscher am ITV und TITV Garne entwickelt, die dank Elektrolumineszenz leuchten. Neue Textilien können auch gleichzeitig als Verkleidungselemente und Lichtleiter fungieren. Die Entwickler lassen beliebige Stellen in der Textilfläche aufleuchten und können so auch optische Anzeigen realisieren. Kombiniert mit sensitiven Textilpaneelen, wie sie am TITV in Greiz entwickelt werden, lassen sich daraus berührungslose und interaktive Bedienelemente konzipieren: Textilpaneele erkennen wie ein Näherungsschalter die Hand des Fahrers und lassen gezielt berührungsempfindliche Anzeige- und Bedienelemente aufleuchten. Auch an der Erkennung des physischen und psychischen Zustands des Fahrers arbeiten die Forscher. Ein T-Shirt mit integrierten Sensoren, die Herzschlag, Atmung, Körpertemperatur und Bewegungen erfassen, stellte das ITV bereits vor. Solche Daten ohne Körperkontakt zu erfassen, ist das Ziel weiterer Entwicklungen. Sabine Gimpel, Leiterin des Forschungsmarketings am TITV in Greiz, berichtet etwa von berührungslos arbeitenden Sensoren, die sich im Sitzbezug befinden und die künftig Herzschlag und auch die Muskelspannung des Fahrers registrieren können. In das Lenkrad eingebaute Biosignalsensoren könnten zudem Hauttemperatur und -feuchtigkeit der Fahrerhände ermitteln, was der Überwachung des Fahrerzustands ein weiteres Mosaiksteinchen hinzufügen würde. Sehr nah an der Serie sind selbstreinigende Fasern, die das ITV Denkendorf zusammen mit dem Unternehmen TWD Fibres entwickelt hat. Deren Eigenschaften beruhen auf dem von Pflanzen bekannten Lotuseffekt. Auf Gewebe wird er mithilfe einer Bikomponenten- Spinntechnik übertragen, wie Thomas Stegmaier, Leiter Technische Textilien am ITV, erläutert. Der Faserkern aus Polyester sorgt für Festigkeit. Ihn umschließt eine mit Nanopartikeln gefüllte Polymermatrix, die die schmutzabweisende Funktion ermöglicht. Hersteller von Automobiltextilien zeigten bereits starkes Interesse an derartigen Garnen, berichtet Stegmaier.
Textilien werden Multitalente
Moderne Textilien bieten den Innenraumdesignern völlig neue Möglichkeiten. Die Spanne reicht von leuchtenden über selbstreinigende Gewebe bis hin zur Überwachung von Körperfunktionen durch Sensortextilien in Sitz und Lenkrad.