Heilbronn. Der neue Mobilfunkstandard LTE („Long Term Evolution“) weckt große Erwartungen für das Infotainment im Auto, noch bevor er in der Fläche verfügbar ist. Mit theoretischen Übertragungsraten von 150 Megabit pro Sekunde oder mehr stellt LTE das kabelgebundene DSL in den Schatten und funktioniert selbst bei hohen Fahrgeschwindigkeiten. LTE soll daher in den nächsten Jahren Einzug ins Auto halten. Von den Chancen der neuen Funktechnik schwärmt auch Manfred Schedl. Wenn von 150 Megabit pro Sekunde bei LTE die Rede ist, warnt der bei der Harman- Infotainment-Division für den Bereich Connectivity verantwortliche Manager aber auch: „Das sind Werte, die auf dem Papier stehen.“
Was im Alltag machbar ist, will Harman 2012 mit Testfahrzeugen untersuchen. Denn alle Anwender, die in einer Mobilfunkzelle unterwegs sind, müssen sich die Übertragungsrate teilen. Hinzu kommt eine wesentliche Einschränkung: Flächendeckend werden 150 Megabit pro Sekunde wohl noch lange Zeit nicht verfügbar sein. Derartige Spitzenwerte lassen sich nur erreichen, wenn in den Frequenzbereichen 1,8 oder 2,6 Gigahertz gesendet wird. Dann aber ist die Reichweite der einzelnen Sendestationen relativ gering. Die Deutsche Telekom, die in Köln schon gut 150 von rund 400 Quadratkilometern mit LTE versorgt, spricht bei der 1,8-Gigahertz- Technik von fünf Kilometern Reichweite, bei 2,6 Gigahertz noch weniger. Damit ländliche Gegenden zu versorgen, würde extrem teuer. Reduziert man die Frequenz auf 0,8 Gigahertz, verdoppelt sich zwar die Reichweite – aber dafür reduziert sich die maximale Übertragungsrate.Die Telekom verspricht daher in ländlichen Gegenden mit 0,8-Gigahertz-Netzen zum Start nur das Surfen mit 7,2 Megabit pro Sekunde. Als machbar nennen Experten Downloadraten von bis zu 20 Megabit pro Sekunde. Infotainmentsysteme, die flächendeckend gut funktionieren sollen, müssen also mit weit weniger als den theoretisch machbaren 150 Megabit pro Sekunde auskommen. Dennoch erwartet Harman- Manager Schedl erste LTE-Anwendungen im Fahrzeug ab 2014. Dazu gehören etwa das Anschauen von Videos via Internet oder das drahtlose Überspielen von Musik oder Videos vom heimischen Multimedia-Server ins Fahrzeug. Bei Bosch und BMW denkt man unter anderem an die Möglichkeit, mithilfe schneller LTE-Verbindungen auch zentral gespeicherte Straßeninformationen zu aktualisieren: Wenn die Verkehrszeichenerkennung des Fahrzeugs ein neues Schild entdeckt, könnte mit dieser aus dem Auto gesendeten Information das Kartenmaterial live aktualisiert werden. Vereinfachung verspricht sich Harman auch durch den Einsatz von HTML5 als neuem Sprachstandard im Internet.Denn damit können viele Multimediaanwendungen ohne die bekannten „Plugins“ genutzt werden. HTML5- Apps wären universell verwendbar – anders als jene, die für Apple, Googles Android und andere Betriebssysteme entwickelt werden. Die Apps müssten dank LTE nicht einmal heruntergeladen werden, sondern das Auto könnte einfach die Apps nutzen, die auf einem Internet-Server liegen.Tempo-Revolution durch LTE
Der neue Mobilfunkstandard LTE („Long Term Evolution“) weckt große Erwartungen für das Infotainment im Auto, noch bevor er in der Fläche verfügbar ist. Mit theoretischen Übertragungsraten von 150 Megabit pro Sekunde oder mehr stellt LTE das kabelgebundene DSL in den Schatten und funktioniert selbst bei hohen Fahrgeschwindigkeiten. LTE soll daher in den nächsten Jahren Einzug ins Auto halten.