München. Es ist erst gut 20 Jahre her, da begann die kommerzielle Phase des weltumspannenden Mediums Internet – und kaum ein Lebensbereich kann sich seitdem dem Sog des World Wide Web entziehen. Welche Konsequenzen hat das Netz für den Autohandel? Wie verändert es den Alltag in den Kfz-Betrieben? Auf welche Weise lässt es sich in den einzelnen Geschäftsbereichen gewinnbringend nutzen? Wie beeinflusst das Netz die Kommunikation mit dem Kunden, und welche neuen Formen der Suche nach neuen Mitarbeitern ermöglicht es den Händlern? Werden webbasierte Präsentationstechniken und der Siegeszug des mobilen Internets das stationäre Autohaus letztendlich überflüssig machen? Diesen Fragen wird sich die Automobilwoche in einer neuen Serie mit insgesamt acht Folgen widmen.
Beispiel Verkauf: Mit Fähnchen lässt sich schon lange kein Kunde mehr ins Autohaus locken. Doch auch die teuren Glaspaläste, die vielerorts in den vergangenen Jahren entstanden, sind keine Garantie mehr für ein erfolgreiches Geschäft: Auch die Betreiber solcher „Tempel“ wurden Opfer des Konzentrationsprozesses im Autohandel, der in vollem Gange ist. Doch wie kann man sich in einem gesättigten Markt auch in Zukunft behaupten? Eine Frage, die sich gerade der Autohandel in Deutschland immer wieder stellen muss.Eine Antwort darauf kann das Internet sein. Die viel zitierte Version 2.0 steht mittlerweile für eine ausgeprägte Infrastruktur aus sozialen und interaktiven Netzwerken. Und so wie das Netz im privaten Bereich inzwischen weit mehr ist als nur Mittel zum Zweck, nutzen auch immer mehr Autohändler die vielfältigen Möglichkeiten des World Wide Web. Im Gebrauchtwagenvertrieb ist dies schon länger deutlich zu erkennen: Wer hier erfolgreich sein will, kommt an den beiden marktbeherrschenden Internetportalen Mobile.de und AutoScout24 nicht mehr vorbei. Denn insbesondere Gebrauchtwagenkäufer suchen ihr Auto gern im Netz. Wer als Anbieter dort sein virtuelles Fähnchen nicht hisst, kann es sich am realen Autohaus auch gleich sparen.Wie so oft treiben also auch in der Autobranche die sich verändernden Ansprüche der Kunden den Wandel an. Beispielsweise im Neuwagengeschäft, wo derzeit die Vermittlungsportale den ohnehin schon starken Preiswettbewerb weiter anheizen und zu hitzigen Diskussionen zwischen Befürwortern und Gegnern führen. Dass die Zahl der Autos, die über solche Portale vermittelt werden, bis dato noch sehr klein ist, wird im Eifer des Gefechts gern übersehen. Ähnliche Kontroversen entzünden sich an den Internet- Werkstattportalen, die seit einiger Zeit versuchen, den Servicemarkt aufzumischen. Und auch im Reifenfachhandel macht man sich Sorgen um die Zukunft, weil die Online-Discounter ihre Marktanteile bei den Reifen mittlerweile deutlich steigern konnten.Auch wenn die Digitalisierung in den einzelnen Geschäftsfeldern unterschiedlich weit vorangeschritten ist, ist sie unumkehrbar. Deshalb tut sich der Handel keinen Gefallen damit, dies nur zu beklagen. Nicht selten verschwimmt hier die Grenze zwischen begründbarem Beharrungsvermögen und purer Sturheit – und das verstellt den Blick auf die Chancen: Sei es, dass sich Mitarbeiter nicht mehr nur über klassische Prozesse, sondern über Netzwerke wie Xing finden lassen, sei es, dass man junge Kunden per Facebook ins Haus holt und so die eigene Marke in der Außenwahrnehmung verjüngt.Suche nach dem Autohaus 3.0
Der Siegeszug des Internets verändert die gesamte Wirtschaft. Auch der Autohandel muss Wege finden, um die fortschreitende Digitalisierung für sich zu nutzen. Wie, das schildert unsere neue Serie in acht Folgen.