München. Die osteuropäischen Automärkte sind für den Teilehandel seit Jahren wichtige Abnehmer. So unterhält beispielsweise Teilegrossist Stahlgruber Auslandsfilialen unter anderem in Tschechien, Slowenien und Kroatien. Fast 1000 der knapp 4500 Beschäftigten arbeiten bereits außerhalb Deutschlands. Für den international agierenden Nutzfahrzeugteilehändler Europart ist Polen einer der wichtigsten Märkte. Erst jüngst eröffnete er die 24. Niederlassung im polnischen Kalisz.
Auch Autohäuser engagieren sich in Osteuropa, so zum Beispiel die niederbayerische Handelsgruppe AVP Autoland. An vier Standorten unterhält AVP sogenannte NORA-Leistungszentren, das Kürzel steht für „Nicht Organisationsgebundene Rabattbegünstigte Abnehmer“. Über diesen Geschäftszweig beliefert AVP freie Werkstätten im In- und Ausland mit Originalteilen und Zubehör von VW. Von den rund 600 Werkstattkunden, die AVP beliefert, sind 150 im europäischen Ausland, vor allem in Ungarn, Rumänien, Bulgarien und der Slowakei, sagt Georg Oswald, AVP-Geschäftsführer Aftersales.
Insgesamt 54 Millionen Euro erwirtschaftete die AVP Autoland-Gruppe im vergangenen Jahr im Teilegeschäft. Rund 20 Millionen Euro davon entfielen auf das NORA-Geschäft mit Auslandskunden. Allein in Plattling, wo AVP im Herbst 2013 ein neues Teilezentrum eröffnete, lagern über 20.000 Positionen im Wert von rund 1,5 Millionen Euro, 4000 Teile werden täglich im Lager bewegt.
Dass der zentral- und osteuropäische Markt auch für den freien Teilesektor ein Wachstumstreiber ist, bestätigt Hartmut Röhl vom Gesamtverband Autoteile-Handel (GVA). Zwar gelte dies in erster Linie für die Teileindustrie, aber auch viele Großhändler lieferten nach Polen, die baltischen Länder, Tschechien, die Slowakei und Ungarn. Mehrere deutsche Grossisten hätten inzwischen Niederlassungen oder zugekaufte Filialen, die „eine wesentliche Ertragssäule“ für diese Unternehmen seien.
„Die Märkte sind einfach noch viel aufnahmefähiger als der überdistribuierte deutsche Markt“, erläutert Röhl. Daher würden die Umsatzzuwächse der Kooperationen des internationalen Teilehandels „im großen Maße durch die Zuwachsraten der osteuropäischen Zweige“ gespeist. Allerdings sei mittlerweile auch vor Ort ein sehr leistungsfähiger Großhandel entstanden, „und nicht nur in grenznahen Gebieten sind polnische und tschechische Großhändler zu sehr ernsthaften Wettbewerbern der deutschen Händler geworden“, so Röhl weiter.
Nicht nur deshalb werde der osteuropäische Markt „permanent schwieriger“, sondern auch, weil wegen der hohen Preissensibilität der osteuropäischen Verbraucher „Billigprodukte aus China und der Türkei verstärkt Zugang zum Markt finden“. Röhl zufolge werden die hohen Wachstumsraten im Teilehandel der letzten Jahre langsam abklingen – dies auch, weil der osteuropäische Fuhrpark, der ursprünglich aus importierten gebrauchten Fahrzeugen bestand, dabei ist, „sich radikal zu verjüngen“.