Riesa. Der Fall zeigt, wie gefährlich Flottengeschäfte für Händler werden können. Ausgangspunkt des Konflikts ist, dass der Großkunde die Fahrzeuge nicht wie vereinbart für ein halbes Jahr behielt, sondern früher weiterverkaufte. Audi nahm das Autohaus in Regress. Es kam zu einem Vergleich, in dem sich Gute Fahrt verpflichtete, 400.000 Euro zu zahlen. Inzwischen hat das Autohaus den Großkunden verklagt, der Prozess zieht sich seit Jahren hin. Strittig sind nun mehrere Punkte. So wirft Hähnichen Audi vor, den Verstoß gegen die Haltedauer frühzeitig gekannt, den Händler aber nicht informiert zu haben. Beim Hersteller heißt es dagegen, es sei genau andersherum gewesen. „Wir haben uns an das Autohaus als unseren Vertragspartner gehalten, nachdem uns Unterlagen vorgelegt wurden, aus denen sich ergab, dass die Vorgehensweise des Großkunden im Autohaus bekannt war“, erklärt Audi. Zudem kritisiert der Händler, Audi unterstütze ihn entgegen der Vergleichsvereinbarung nicht beim Prozess, stelle wichtige Unterlagen nicht bereit und habe Nebenabreden mit dem Großkunden getroffen. Auch hier widerspricht Audi in allen Punkten, allerdings gibt es Schreiben, in denen der Konzern mitteilt, dass Unterlagen nicht vorlägen und man sie deswegen nicht zur Verfügung stellen könne. Branchenanwalt Christian Genzow sieht das Verhalten des Herstellers kritisch und zweifelt unter anderem daran, ob Audi ein Recht hatte, den Händler zur Kasse zu bitten. Der „größte Fehler“ des Autohauses sei gewesen, den Vergleich zu unterschreiben. „Aber in diesen Situationen werden die Händler o massiv unter Druck gesetzt“, sagt Genzow. Aus seiner eigenen Erfahrung könne er berichten, dass Audi hier zu den besonders hart vorgehenden Unternehmen gehöre. Auch Hähnichen spricht von einem erzwungenen Vergleich. Audi versichert dagegen, man habe keinen Druck auf den Händler ausgeübt und stehe „grundsätzlich für eine vertrauensvolle und partnerschaftliche Zusammenarbeit“ mit seinen Handelspartnern.
Streit um ein Großkundengeschäft gefährdet Händler
Was im Jahr 2004 noch wie ein gutes Geschäft aussah, bedroht das Autohaus Gute Fahrt in Riesa inzwischen in seiner Existenz. 249 Autos gingen damals über den Händler an einen Großkunden. Statt eines schönen Gewinns hat der Deal dem Unternehmen inzwischen Kosten von mehr als einer Million Euro eingebracht. In diesem Zusammenhang erhebt der Geschäftsführer des Unternehmens, Kurt Hähnichen, schwere Vorwürfe gegen Audi.