München. In der CO2-Debatte haben die Autobauer und ihre Händler mit Spritspar-Trainings ein Argument auf ihrer Seite, das gleichzeitig ein effektives Instrument zur Kundenbindung sein kann. Allein, sie nutzen es kaum. Zu den engagierteren Herstellern zählt Volkswagen. Die Wolfsburger übernehmen die Kosten, wenn ein Händler seinen Kunden auf die Teststrecke schicken will. In Zusammenarbeit mit dem Naturschutzbund Deutschland werden die Trainings von den Betrieben vor Ort organisiert. Für größere Fahrergruppen von Unternehmen werden eigene Kurse angeboten. Im vergangenen Jahr absolvierten 1533 Teilnehmer ein Training - verglichen mit rund 608.000 Neuzulassungen im selben Zeitraum ein Wert im Promillebereich.
Noch niedriger sind die Teilnehmerzahlen beispielsweise bei Ford und BMW. Rund 50 Veranstaltungen mit mindestens sechs Teilnehmern gab es von Ford im vergangenen Jahr. BMW zählte 35 Spritsparer in seinen Kursen, die nur am Münchner Flughafen abgehalten werden. Ein bundesweites Angebot sei logistisch viel zu aufwendig, sagt ein BMW-Sprecher.
Entsprechend unbekannt sind die Öko-Angebote bei den Kunden. Rund 82 Prozent von mehr als 1000 Autofahrern, die vom Marktforschungsinstitut Puls befragt wurden, konnten keinen Anbieter von Spritspar-Trainings benennen. Den mit weitem Abstand besten Wert erzielte mit 15,4 Prozent der ADAC, die Automarken brachten es zusammen auf 1,4 Prozent.
Um bis zu einem Viertel lässt sich der Verbrauch reduzieren, wenn frühzeitig geschaltet und vorausschauend gefahren wird. Ford hat errechnet, dass sich mit einem Mittelklassefahrzeug bei 12.000 Kilometern Fahrleistung jährlich rund 300 Euro sparen lassen. "Für den Handel sind Spritspar-Trainings ein sehr interessantes Mittel zur Kundenbindung, das den Kaufausschlag geben kann. Aber derzeit überlässt man dieses Feld dem ADAC", sagt Puls-Gründer Konrad Weßner. Dabei ist laut Puls-Studie für 44 Prozent der potenziellen Autokäufer ein kostenfreies Training als Angebot des Händlers "interessant" oder "sehr interessant".
Die Hersteller nehmen sich zudem mit dem sparsamen Einsatz der Kurse ein wichtiges Argument in der politischen Debatte. Für den Verband der europäischen Autobauer (ACEA) ist "Eco-Driving" eine Säule, auf der der integrierte Ansatz zur CO2-Minderung fußt. Die Marginalisierung der Kurse nimmt dieser Säule das Fundament.