Las Vegas. Zwar ist schon das Außendesign der 5,22 Meter langen, wie eine stromlinienförmige Großraumlimousine gezeichneten Studie mit über 3,60 Metern Radstand und gegenläufig angeschlagenen Salontüren ohne B-Säule ausgesprochen unkonventionell. Doch das Augenmerk von Designern und Entwicklern lag vor allem auf dem Innenraum. „Denn wer nur an die Technik denkt, hat noch nicht erkannt, wie das autonome Fahren unsere Gesellschaft verändern wird“, sagt Daimler-Chef Dieter Zetsche. In seinen Augen wächst das Auto mit dem Schritt zum autonomen Fahren über seine Rolle als Transportmittel hinaus und wird endgültig zum mobilen Lebensraum, der dafür ganz anders als bisher gestaltet werden muss. Deshalb erinnert der F 015 innen an eine Luxus-Lounge, in der man auf eleganten Einzelsitzen Platz nimmt und überall auf nahtlos integrierte Anzeigeelemente schaut – vom Head-up-Display in der Frontscheibe über die Bildschirme in den Türtafeln bis hin zur digitalen Oberfläche des ausklappbaren Schreibtischs. Zwar gibt es noch Lenkrad und Pedale. Doch sobald der Autopilot übernimmt, können sich Fahrer und Beifahrer den Hinterbänklern zuwenden und den Wagen von allen Plätzen aus mit virtuellen Bedienelementen steuern, erläutert Interieur- Designchef Hartmut Sinkwitz. Diese erscheinen dank Gestenund Blickerkennung überall dort, wo sie gerade benötigt werden. Wahlweise engmaschig vernetzt mit der digitalen Lebenswelt der Nutzer oder abgeschottet in einer ebenso entspannten wie eleganten Wohlfühlwelt will Mercedes der gewonnenen Zeit im Auto so eine völlig neue Qualität geben, erläutert Forschungschef Thomas Weber. Obwohl sich Mercedes vor allem auf die Auswirkungen des autonomen Fahrens auf Interieur und Bediensystem konzentriert hat, zeigt das Forschungsfahrzeug auch einige Entwicklungspfade in den klassischen Gewerken auf. So fährt der F 015 mit zwei zusammen 272 PS starken Elektromotoren, die aus einer Brennstoffzelle und einem Plug-in-Akku gespeist werden. Der an Bord gespeicherte oder aus Wasserstoff produzierte Strom reicht für bis zu 1100 Kilometer und Geschwindigkeiten von 200 km/h. Dabei hilft die Karosseriestruktur in einer Mischbauweise aus Carbon, Aluminium und Stahl. Sie ist nicht nur 40 Prozent leichter als eine konventionelle Rohkarosse, sondern auch sicherer. Falls ein Unfall droht, werden einzelne Karosserieelemente wie Airbags aufgepumpt und vergrößern so die Knautschzone.
Mercedes-Studie auf der CES
Sternenkreuzer der Zukunft
Das autonome Fahren sieht man bei Mercedes als eine der größten Innovationen seit der Erfindung des Automobils. Es werde Fahrzeuge und das Fahren selbst weit stärker verändern als die meisten Neuerungen davor. Um dieser Überzeugung Nachdruck zu verleihen und die Kundschaft langsam auf die Luxusliner einer gar nicht mehr so fernen Zukunft einzustimmen, hat Mercedes auf der CES das Forschungsfahrzeug F 015 „Luxury in Motion“ enthüllt. Projiziert auf die Jahre 2025 und später soll der monolithische Sternenkreuzer illustrieren, welche Entwicklung Modelle wie die S-Klasse künftig nehmen könnten.