München. Die Sicherheitsexperten von TÜV und Dekra fürchten, dass das Niveau der Fahrzeugüberwachung in Deutschland einer europaweiten Anpassung der Standards zum Opfer fallen könnte. „Es wäre der Worst Case, wenn als Folge der EU-weiten Harmonisierung das recht hohe Prüfniveau in Deutschland sinken würde“, sagt ein Sprecher des Verbands der TÜV (VdTÜV). Es müsse verhindert werden, dass sich die EU bei der Fahrzeugprüfung „auf den kleinsten gemeinsamen Nenner“ einigt. Die Bestrebungen der EU-Kommission, in den kommenden Jahren die Fahrzeugprüfung in den Mitgliedsstaaten mit einer Harmonisierung auf einen gemeinsamen Standard zu bringen, hätten einen Euro-TÜV zur Folge.
„Um den in Deutschland erreichten hohen Standard der Fahrzeugüberwachung zu bewahren, halten es TÜV und Dekra für dringend erforderlich, den Überlegungen der EU-Kommission zu einer vollständigen Harmonisierung der Fahrzeugprüfungen entgegenzutreten“, schreibt der VdTÜV in einem Positionspapier. Das Problem: Wenn für alle 27 EU-Mitglieder von Finnland bis Zypern und von Portugal bis Rumänien ein Niveau für die Prüfung der Autos und die Ausbildung der Prüfer gefunden werden muss, dürften kaum jene Maßstäbe gesetzt werden, die derzeit zwischen Flensburg und München gelten.
Der Euro-TÜV wäre weniger streng und die Autos nicht mehr so sicher, fürchten Experten. „Grundsätzlich wäre ein einheitlicher Prüfstandard okay, aber nach den Plänen der EU-Kommission würde dieser mit Sicherheit unter dem derzeitigen deutschen Niveau liegen, denn es wird kaum eine Angleichung auf dem höchsten Niveau erfolgen“, sagte Dekra- Lobbyist Oliver Deiters der Automobilwoche. Auch beim TÜV Nord wird die Harmonisierung grundsätzlich begrüßt, erforderlich seien aber „die höchsten Standards für die Verkehrssicherheit in Europa“, heißt es aus Hannover.